Spiritueller Aspekt
der vegetarischen Ernährung


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INHALT

Der spirituelle Aspekt der vegetarischen Ernährung
Ahar oder Ernährung
Fragen und Antworten

 

Die ganze Schöpfung ist der Tempel Gottes.
Es gibt keinen Ort, wo Er nicht ist.
In den Mineralien schläft das Leben,
in den Pflanzen träumt das Leben,
in den Vögeln und jeglichem Getier erwacht das Leben,
und im Menschen ist das Leben bereits wach.
Somit sind wir Brüder aller Geschöpfe,
der Pflanzen, Vögel und anderen Tiere.
Die Blumen und Bäume, Sperlinge und Tauben
sind wie Mitglieder unserer eigenen Art.
Wie einfach, rein, liebevoll und schön sie sind!
Wir sollten von ihnen lernen, ein Leben der Reinheit,
heiliger Einfachheit und göttlicher Liebe zu führen.

 

Kirpal Singh


Der spirituelle Aspekt der vegetarischen Ernährung

Jeder sucht Ruhe und Frieden, aber sie bleiben unerreichbar wie eh und je. All unsere Anstrengungen in dieser Richtung werden zunichte und erweisen sich als fruchtlos. Warum? Weil wir nach falschen Richtlinien vorgehen. Der Mensch lebt auf zwei Ebenen – der äußeren und der inneren. Wir müssen erst die Dinge im Äußeren ordnen, um Frieden auf der äußeren Ebene zu schaffen, bevor wir nach innen gehen können. Drei Punkte sind in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung: rechte Tätigkeit – rechte Lebensweise – rechte Ernährung.

Der höchste Zweck des menschlichen Lebens ist, sich selbst und Gott zu erkennen. Alles übrige ist nichts als Zerstreuung.

„Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ ist ein wohlbekanntes Sprichwort. Deshalb muß man zuallererst (nach einem gesunden Geist) streben. Wir müssen Körper und Geist gesund erhalten, bevor wir sie als Werkzeuge für den spirituellen Fortschritt gebrauchen können. Wir müssen notwendigerweise auch Nahrung zu uns nehmen, denn ohne Nahrung können wir Leib und Seele nicht zusammenhalten. Unser erstes und wichtigstes Problem ist daher die Nahrung, denn von ihr hängt das Wohlergehen von Körper und Geist ab. Die rechte Art der Nahrung, auf rechte Weise verdient und in rechter Weise zu sich genommen, hilft viel in dieser Richtung. Man muß deshalb sein Brot im Schweiße seines Angesichtes verdienen, wie man sagt, und nicht auf Kosten anderer leben. Für unseren Lebensunterhalt müssen wir einer ehrenhaften und nützlichen Tätigkeit, sei sie körperlich oder geistig, nachgehen, die aber frei sein muß von Betrug, Heuchelei, Übelwollen und Feindseligkeit, denn das karmische Gesetz wirkt unerbittlich. Jede Handlung führt zu einer Reaktion, und so geht es in endlosem Kreislauf unaufhörlich weiter.

Daher ist es notwendig, ein ehrenhaftes Leben zu führen, mag es auch noch so dürftig sein. Durch einen ehrlichen Beruf könnt ihr keine Reichtümer anhäufen. Reichtümer wachsen unter den Seufzern der Armen und Unterdrückten, der Holzfäller und Wasserträger, und gedeihen durch das Herzblut unserer Mitmenschen. Wir sollten daher nicht nach reichen Speisen und erlesenen Delikatessen verlangen, denn sie ziehen Ausbeutung nach sich und sind mit dem unsäglichen Leiden der Armen befleckt und machen uns am Ende genauso elend. „Wir alle werden von den unsichtbaren Feuern der Hölle verzehrt, und doch wissen wir es nicht.“

Die Nahrung ist, wie ihr wißt, für den Menschen geschaffen und nicht der Mensch für die Nahrung. Wir müssen den besten Gebrauch von ihr machen – wie von allen anderen Dingen des Lebens auch. Wer ein Sklave des Gaumens ist, kann nichts Nützliches vollbringen. Wenn wir uns wirklich bemühen, unseren Gaumen zu beherrschen, können wir unser ganzes physisches und mentales System unter Kontrolle bringen. Eine einfache Kost ist nahrhafter und bekömmlicher und für die spirituelle Entwicklung förderlicher als alle sogenannten Delikatessen, die die moderne kulinarische Kunst anbietet. Einfache Nahrung wird euch immer ein Gefühl des Wohlbefindens und der Heiterkeit des Gemüts geben und euch helfen, im Rahmen eurer Möglichkeiten zu leben, wie bescheiden diese auch immer sein mögen, ohne daß ihr eure Hand vor anderen auszustrecken braucht.

Als ich nach meinem langen Dienst in der Regierung in den Ruhestand treten wollte, wurde ich von meinem Vorgesetzten gefragt, ob ich nicht länger bleiben wolle. Aber ich lehnte das Angebot höflich ab und sagte: „Ich will keine Verlängerung, da ich mein Leben dem begrenzten Betrag meiner Pension anpassen kann.“

Es gibt drei Arten von Nahrung:

  1. SATVIK – reine Nahrungsmittel:   Milch, Butter, Käse, Reis, Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse, Früchte und Nüsse;
  2. RAJSIK – stimulierende Nahrungsmittel:    Pfefferschoten, Gewürze, Pikantes, saure und bittere Dinge;
  3. TAMSIK – schwächende Nahrungsmittel:   verdorbene Speisen, Eier, Fleisch, Fisch, Geflügel, Wein, usw.

Von diesen Nahrungsmitteln sollten wir immer „Satvik“ oder reine Nahrung vorziehen. Sie bewirkt viel Gutes. Aber auch davon sollten wir etwas weniger essen, als zur vollen Befriedigung des Appetits erforderlich ist. Wenn uns delikate Speisen vorgesetzt werden, kommen wir in Versuchung, mehr zu essen, als tatsächlich notwendig ist. Statt uns aber zusätzlich Gesundheit und Kraft zu geben, erweist sich das Übermaß an Nahrung als schädlich. Nahrung, die nicht richtig verdaut und in den Organismus aufgenommen wird, bewirkt kolikartige Schmerzen, in manchen Fällen sogar Cholera, und manchmal muß man es sogar mit dem Leben bezahlen. „Überlade die Kraftquelle des Magens nicht, sonst fällst du der Übelkeit leicht zum Opfer.“ Selbst am Guten sollte man sich nicht übersättigen, da es sich dann oft als schädlich erweist. Mäßigung beim Essen hilft dem Wachstum der Lebenskräfte im Menschen.

In den Puranas, den alten Hinduschriften, gibt es ein Gleichnis vom Gott der Nahrung, der sich bei Lord Vishnu, dem Erhalter des Universums, beklagte, die Menschen würden ihn zu sehr mißbrauchen. Lord Vishnu erwiderte darauf humorvoll: „Wer von dir zuviel ißt, den mußt du verzehren, das ist das einzige Heilmittel!“

Frische Luft ist der wichtigste Teil unserer Nahrung. Man muß tief Atem holen, den Atem eine Weile innehalten und ihn dann wieder voll ausstoßen, um so alle Unreinheiten aus dem Körper zu vertreiben. Außerdem muß man viel reines Wasser und Fruchtsäfte trinken, um den Organismus durchzuspülen, damit man gereinigt wird. Meidet aber alle Arten erregender oder dämpfender Getränke, alkoholische Getränke und Rauschmittel, denn sie machen das Gemüt und den Intellekt krank. Getreide und Früchte sollten unsere Grundnahrungsmittel bleiben.

Wie schon gesagt, muß der Mensch also seinen Lebensunterhalt auf anständige und ehrliche Weise verdienen. Ebenso ist es die moralische Pflicht der Hausfrau, diese Satvik-Nahrung in liebevoller Erinnerung an Gott zuzubereiten. Ein Essen, das mit Gedanken, die ständig beim Geliebten verweilen, zubereitet wird, wird zu Manna, das vom Himmel kommt, und erweist sich als Segen für alle, die es zu sich nehmen.

Der große Meister Hazur Baba Sawan Singh Ji gab uns oft das Beispiel vom indischen Bauern, der mit seinen Händen den Pflug führt und dabei zauberhafte Lieder singt für das Mädchen, das er liebt. So sollte auch unsere Haltung sein.

Im Jahre 1921 arbeitete ich als Rechnungsführer in der 36. Sikh-Einheit. Im Feld erhielt ich einen Koch zugeteilt. Ich sagte ihm, daß mich seine Vergangenheit nicht kümmerte, wenn er nur während der Zubereitung des Essens die heiligen Namen Gottes wiederhole und niemandem erlaube, die Küche zu betreten, um unnützes Reden zu vermeiden. Der Koch versprach es. Zwei oder drei Tage ging alles gut, aber als ich am vierten Tag meditierte, fühlte ich, daß mein Gemüt nicht ruhig war. Mitten in der Nacht rief ich den Koch und fragte ihn, ob jemand mit ihm in der Küche gewesen sei, während er das Essen zubereitete. Zunächst leugnete er, aber schließlich gab er zu, daß jemand gekommen sei, ihn in ein Gespräch verwickelt und so von dem liebevollen Denken an Gott abgelenkt habe. Ich ermahnte ihn deshalb, und von da an folgte er meinen Anweisungen ganz gewissenhaft. Dies ist also der beste Prüfstein für den spirituellen Fortschritt und für die Reinheit der Nahrung, die man zu sich nimmt. Reinheit in der Hinsicht, wie das Essen erworben und wie es zubereitet wird.

Sheikh Saadi, ein großer mystischer Dichter aus Shiraz in Persien, lehrte immer, den Magen in vier Teile zu unterteilen: Zwei für eine begrenzte Menge einfacher Nahrung, einen für reines und klares Wasser, während einer für das Licht Gottes vorbehalten sein sollte.

Es gibt einen Vorfall im Leben von Hazrat Mohammed, dem Propheten des Islam. Eines Tages kam ein Arzt zu ihm und bot ihm seine Dienste an für die Kranken und Leidenden in Umat, der Gefolgschaft des Propheten. Er blieb ungefähr sechs Monate dort, ohne Arbeit zu haben, da keiner der Schüler des Propheten krank wurde. So ging er zum Propheten und bat um die Erlaubnis, gehen zu dürfen, da keiner hier seiner Dienste bedürfe. Hazrat Mohammed verabschiedete den Arzt mit einem freundlichen Lächeln und sagte, solange die Leute die Anweisungen befolgten, wäre es unmöglich, daß einer von ihnen erkrankte, denn alle lebten nach einer gesunden Grund-regel: „Immer etwas weniger essen, als man gerne möchte, um seinen Hunger zu stillen. Ein reines Leben mit ehrenhaftem Einkommen führen.“

Baba Jaimal Singh Ji, ein großer Meister seiner Zeit, kaufte gewöhnlich einige Brote oder Chapatis (indische Fladenbrote), wickelte sie in ein Tuch und hängte sie am Ast eines Baumes auf. Er saß den ganzen Tag in Meditation, und wenn er sich dann aus seiner Versenkung erhob, nahm er ein Stück Brot, tauchte es in Wasser und aß davon, bevor er von neuem meditierte.

Brot aus vollem Korn ist ein vollkommenes Nahrungsmittel in sich. Wir aber berauben es seiner Vitalstoffe, indem wir die Schale des Korns entfernen und es in maschinell angetriebenen Mühlen zu weißem Mehl mahlen. So zerstören wir das Phosphor und das Öl in den Körnern und machen eine degenerierte Speise daraus.

Ich konnte mit eigenen Augen sehen, daß Hazur Baba Sawan Singhs Nahrung immer sehr einfach war und nur aus wenigen bekömmlichen Dingen in sehr geringen Mengen bestand. Alle Heiligen leben von sehr einfacher Nahrung. So war es z. B. bei Shamaz-i-Tabrez, einem Moslem-Heiligen, und Soami Shiv Dayal Singh Ji, die beide nach dem Grundsatz lebten: „Iß weniger und bleibe glücklich.“

Bei einem Leben mit einfacher Nahrung und edler Denkweise, verbunden mit hoher Moral und reiner Lebensweise, braucht man keines der Stärkungsmittel, die heutzutage den Markt überschwemmen. Üppiges Essen bringt nicht nur die Funktion des Magens in Unordnung, sondern führt zu ernsten Folgen, die sich manchmal als sehr gefährlich erweisen. Sehr häufig beklagen sich Menschen, daß sie anscheinend auf dem Pfad nicht vorankommen, merken aber selten, daß dies einer fehlerhaften Ernährung und falschen Lebensweise zuzuschreiben ist. Auch Prophet Mohammed lebte hauptsächlich von Gerstenbrot.

Die Satvik-Nahrung hält Kopf und Herz von allen Unreinheiten frei. Jeden Tag lesen wir, daß Verbrechen und Korruption zunehmen und die Polizei Spezialeinheiten bildet, um dieser wachsenden Bedrohung zu begegnen. „Eßt, trinkt und seid fröhlich“, lautet die Parole des Tages. Jeder möchte sich bei Reisen und Besuchen von Vergnügungsstätten, Filmen usw. gut unterhalten – und all dies geht über seine knappen Mittel hinaus. Aber wie kann man zu mehr Geld kommen? Außer Aladins Wunderlampe kann euch nichts dazu verhelfen. Ein ehrlicher Mensch kann kaum Körper und Seele zusammenhalten. Aber nur sehr wenige können den Verlockungen und Versuchungen dieser glitzernden Welt entkommen. Die meisten von uns leben ein lustbetontes Leben: Einige leiden unter der Lust der Augen, andere unter der Lust der Ohren und wieder andere unter den verschiedenen Begierden des Fleisches. Wir haben keine Achtung vor Frauen, Töchtern und Schwestern anderer und laufen ihnen blindlings nach. Die Welt befindet sich in einer schnell fortschreitenden Rückentwicklung.

„Sage mir, mit wem du Umgang hast, und ich sage dir, wer du bist.“ Wollt ihr wissen, wie eure Kinder heranwachsen, dann achtet auf ihre Freunde; von ihnen könnt ihr leicht auf eure Kinder schließen.

Wir alle sind von Gott erschaffen. Wir sind verkörperte Seelen. Die Seele ist vom selben Wesen wie Gott, und Gott ist in uns allen. Deshalb sollten wir einander lieben. Das ist es, was Paulus sein ganzes Leben lehrte. Im Koran heißt es: „Oh, ihr Menschen, tut Gutes, seid gut zu euren Eltern und Verwandten, zu Waisen, Bedürftigen und Armen, zu euren Nächsten und euren Mitgeschöpfen. Solch ein Leben ist Allah wohlgefällig. Allah ist in jedem von uns. Um den Hochmütigen, der selbstsüchtig ist, kümmert Gott sich nicht.“

Ein Meister-Heiliger empfiehlt immer:

  1. Liebe und Verehrung für die ganze Schöpfung von der höchsten bis zur niedrigsten Stufe;
  2. Gewaltlosigkeit zu beachten, sogar in den tiefsten Tiefen des Herzens;
  3. Wahrhaftigkeit
  4. Nicht-Verletzen der Gefühle anderer in Gedanken, Worten, Andeutungen und Taten;
  5. Freundlichen Umgang mit allen;
  6. Heiteres Wesen
  7. Glaube an das dem Menschen eingeborene Gute;
  8. Andere nicht zu beschimpfen;
  9. Sich nicht in verleumderische und sinnliche Gespräche sowie nutzlose Zerstreuungen hineinziehen zu lassen;
  10. Beschuldigungen zu vermeiden, denn diese fallen mit größerer Heftigkeit  auf den Urheber zurück.
  11. Wenn man nach Gottverwirklichung strebt, darf man niemandes Gefühle verletzen, denn das Herz ist der Sitz Gottes.

Habt ihr euch schon einmal klar gemacht, daß ein in die Erde gelegter Mangosamen alle Süße aus dem Boden zieht, während ein Pfeffersame alle Schärfe anzieht? „Wie der Mensch denkt, so wird er.“ Nichts ist gut oder schlecht in der Welt, erst unser Denken macht es dazu. Wie der eine oder der andere Same fangen wir Impulse aus der Atmosphäre auf, die unserem eigenen mentalen Zustand entsprechen.

Im Mahabharata, dem großen Epos des alten Indien, lesen wir, die äußeren Zeichen eines keuschen und reinen Lebens seien gute Taten. „Wie man den Baum an seinen Früchten erkennt, so erkennt man den Menschen an seinen Taten.“ Dies ist eine bedeutende Lehre von hohem Wert. Sie hilft dem Menschen, sich zu entfalten, und er wird sowohl hier als auch im Jenseits angesehen sein. Er wird ein Freund aller Geschöpfe sein, da er sich entschieden hat, keines von ihnen zu verletzen oder zu töten, nicht einmal eine bescheidene Biene oder Ameise. Solch ein Mensch wird sicherlich eines Tages die Wahrheit erkennen.

Prinz Dhritrashtra – der Sohn des Kuru, des mächtigen Königs von Bharat – lästerte einst über den berühmten Bogen (Gandiva) des Pandava Prinzen Arjuna. Arjuna wurde zornig und legte, aufs Höchste erregt, den Pfeil auf seinen Bogen. Lord Krishna, der gerade in der Nähe war, fragte Arjuna, was er denn tue. Arjuna antwortete, er sei ein Prinz der Kriegerkaste und habe folgendes Gelübde abgelegt: „Jeder, der nur ein einziges Wort gegen meinen mächtigen Bogen sagt, wird von mir nicht verschont.“ Lord Krishna sagte: „Oh Arjuna, kannst du mir sagen, was die Frucht von Dharma oder Rechtschaffenheit ist? Ist sie Schmerz oder Freude?“ Arjuna antwortete, Dharma oder Rechtschaffenheit bestehe nur aus der daraus hervorgehenden Liebe und Harmonie. So muß man zuerst an das Ergebnis denken, bevor man irgend etwas tut oder auch nur darüber nachsinnt. Dies wird mit Sicherheit die Lebensspanne verlängern.

Ein Mensch, der ein tugendhaftes Leben führt, wird niemals irgendeinen bösen Gedanken gegen jemanden hegen und nie seine Gemütsruhe verlieren und aufgeregt werden. Er wird lange leben.

Die Lebensspanne wird nach Atemzügen berechnet. Normalerweise ist der Atemvorgang sehr rhythmisch – etwa 10 bis 12 Atemzüge in der Minute. Doch wenn jemand in Wut gerät oder sehr erregt ist, dann braucht er 20 bis 30 Atemzüge in einer Minute. So liegt also eine tiefe Wahrheit in der Redensart verborgen, die besagt, daß gute Taten oder Tugenden das Leben verlängern, während schlechte Taten oder Laster die Lebensspanne eines Menschen verkürzen.

Denkt daran: Selbst wenn ihr euch Verdienste erwerbt, aber kein gutes ethisches Leben führt, habt ihr nichts erreicht. Versucht, nach dem Gebot des Meisters zu leben, dann allein können eure Worte bei euren Freunden Gewicht haben. Ihr könnt nicht Keuschheit predigen mit Begierde im Herzen und Lüsternheit in eurem Blick. Auf die Dauer könnt ihr die Menschen nicht täuschen, denn früher oder später kommt die Wahrheit an den Tag. Die, die euch hören, werden euch nicht lange blind vertrauen und eure Worte als bare Münze nehmen.

Entschuldigt, wenn ich frage, warum Gemeinschaften und Prediger sehr oft in schlechten Ruf geraten. Es kommt daher, weil sie nicht selbst nach dem leben, was sie anderen predigen.

Ein göttlicher Mensch hat ein rechtschaffenes Gemüt und ein rechtschaffenes Herz. Er ist innen und außen eine vollkommene Quelle des Friedens. Seine Handlungen sind fair, offen und einwandfrei. Die Wahrheit kommt aus der Tiefe seines Herzens. Die Zuhörer lauschen ihm gebannt und fühlen sich beim Anhören getröstet, denn was er sagt, ist von der beruhigenden Wirkung liebevoller und reiner Gedanken durchdrungen, so daß es jeder fühlen kann. Wegen der Reinheit seines Herzens steht er auch allein unter vielen wie ein mächtiger Turm.

Lord Tennyson, ein großer Dichter, legte Sir Galahad, einem Ritter der Tafelrunde, folgende Worte in den Mund: „Meine Stärke gleicht der Stärke von zehn, denn mein Herz ist rein.“

Es heißt, daß ein Mensch aus der Überfülle seines Herzens spricht. Ist einer dagegen selbstsüchtig und boshaft, so fällt er mit der Axt seinen eigenen Lebensbaum, auf dem er voll Selbstgefälligkeit sitzt. Jeder wird ihn fürchten und er ist allen ein Schrecken. Die Leute scheuen seinen bloßen Anblick und betrachten ihn als einen Unglückseligen. Ein rechtschaffener Mensch dagegen achtet auf seine Schwächen und beseitigt eine nach der anderen durch Selbstprüfung. Soami Shiv Dayal Singh Ji rät, seine Fehler, einen nach dem anderen, herauszufinden und sie dann zu beseitigen. Alle anderen Heiligen haben mit gleichem Nachdruck dasselbe gesagt:

  1. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
  2. Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Die ganze Religionsphilosophie basiert auf diesen zwei Hauptgrundsätzen. Wenn man sich diese beiden goldenen Regeln zu eigen macht, wird sich das Leben mit Gewißheit wandeln. Der Mensch, der kein Fünkchen Mitgefühl noch einen Hauch von Menschlichkeit in sich hat, ist nicht wert, Mensch genannt zu werden und kann Gott nicht erkennen. Wer aber seine Feinde liebevoll behandelt, wird sie im Handumdrehen entwaffnen.

Wo ihr nur könnt, versucht, niemanden zu verletzen. Seid gut zu allen und ihr werdet in Frieden mit euch selbst sein – ein Zentrum der Liebe und Wärme, die von euch ausstrahlen. Die Gebete anderer, denen ihr Gutes getan habt, werden euch helfen. Die guten Gedanken anderer werden euch wie eine Segnung umgeben. Schon der Gedanke, Gutes zu tun, wird zuerst euch beeinflussen und dann alle guten Schwingungen aus der Atmosphäre anziehen.

Wir haben jetzt kurz „Panch Shila“, die fünf grundlegenden Wahrheiten, niedergelegt, auf denen wir das wunderbare Gebäude der Spiritualität errichten können. Diese lauten:

  1. Nicht-Verletzen in Gedanken, Worten und Taten;
  2. Wahrhaftigkeit
  3. Reinheit
  4. Liebe für alle – Haß gegen niemanden, unabhängig von  Stellung, Reichtum und Bildung;
  5. Selbstloser Dienst – körperlich und finanziell – und bereitwilliges Anteilnehmen an den Freuden und Sorgen anderer.

Der lebende Meister durchschlägt den gordischen Knoten eines Initiierten. Der Schüler des Meisters hört zu sündigen auf.

Jene, die dem oben Gesagten folgen, werden ihr Leben hier und im Jenseits bereichern. Sie werden das Gemüt und die nach außen gerichteten Sinne kontrollieren, indem sie mit dem lebenden Wort Gottes durch einen Meisterheiligen in Verbindung kommen.

(Rundbrief von Sant Kirpal Singh The spiritual aspect of the vegetarian diet, herausgegeben im Juli 1958)

Bei einem Leben mit einfacher Ernährung und hoher Denkungsart, verbunden mit höheren moralischen Maßstäben und Reinheit in der Lebensführung, braucht man keine Stärkungsmittel wie sie heutzutage den Markt überschwemmen.

Üppiges Essen bringt nicht nur den Motor unseres Magens aus dem Gleichgewicht, sondern zieht schlimmere Folgen nach sich, die sich manchmal als sehr gefährlich erweisen.

Oft beklagen sich die Menschen, daß sie auf dem Weg scheinbar nicht weiterkommen, dabei sind sie sich kaum darüber bewußt, daß der Fehler bei der Ernährung und einer falschen Lebensweise liegt.


Ahar oder Ernährung

Die Ernährung spielt natürlich im Leben eine große Rolle. Wir brauchen die Nahrung zur Erhaltung unserer physischen Existenz. Wir werden von der Natur gezwungen, so lange in der Welt zu sein, wie das Schicksal das Maß unserer Lebensspanne festgesetzt hat oder solange die Karmas noch nicht abgetragen sind. Allein um existieren zu können, müssen wir uns von etwas ernähren. In dieser Hinsicht ist der Mensch ziemlich hilflos. Das Gesetz des Karma ist die Methode der Natur, die Welt auf unsichtbare Weise in ihrem eisernen Griff zu halten, damit sie bevölkert und in Gang bleibt. So ist es umso notwendiger, daß sich der Mensch davor hütet, gedankenlos, unüberlegt und ohne zu unterscheiden, Eßgewohnheiten anzunehmen. Da wir nicht ohne Nahrung auskommen können, müssen wir uns zumindest solche Nahrungsmittel aussuchen, die sich für unser spirituelles Streben am wenigsten schädlich erweisen. Unsere Nahrung sollte uns nicht in unnötige karmische Schulden stürzen, die mit ein wenig Sorgfalt zu vermeiden wären. Mit dem Blick auf dieses Ziel wollen wir nun die Natur genauer betrachten.

Die Nahrung des Menschen kommt von der Erde, das heißt von Boden, Luft und Wasser. Wir sehen auch, daß Leben in allem ist, was sich bewegt und in allem, was statisch ist. Die sich bewegenden Geschöpfe leben sowohl voneinander als auch von den Schöpfungsarten, die an ihren Ort gebunden sind – von Gemüse, Pflanzen, Sträuchern, Kräutern, Bäumen und dergleichen. Der Mensch aber freundet sich mit den Geschöpfen an (Vögeln und anderen Tieren), die sich von anderem Leben erhalten, und liebt sie und macht sie zu seinen Haustieren. Die Alten wußten genau, daß Menschen, Vögel und die anderen Tiere alle in denselben karmischen Banden verbunden sind. Im Sinne einer allgemeinen Bruderschaft leistete der Mensch für sich und seine Haustiere schwere Arbeit. Er bestellte das Land, baute Früchte an und erzeugte Nahrung für sich selbst, seine gefiederten Freunde und sein Vieh. Aber im Laufe der Zeit wurde er bequemer, mit dem Ergebnis, daß er den Tieren zuerst die Milch raubte und dann auch noch ihr Fleisch verzehrte.

Entsprechend den moralischen, sozialen und spirituellen Gesetzen menschlichen Verhaltens darf man nicht in das Leben eines Tieres in Gottes Schöpfung eingreifen. In Indien wird diese Lebenseinstellung Ahimsa oder Nichtverletzen gegenüber allen lebenden Geschöpfen genannt. Dies führte zur vegetarischen Ernährung im krassen Gegensatz zur nichtvegetarischen Ernährung. Wenn wir tief über die natürlichen und unnatürlichen Formen der Ernährung nachdenken, kommen wir zu einem besseren Verständnis der Frage der Gunas oder angeborenen Neigungen und Antriebe, natürlichen Anlagen und verborgenen Bestrebungen, die allen empfindenden Wesen eigen sind.

Man muß die Nahrung in Samenfrüchte, Getreide, Gemüse und Obst einteilen, die als Satvik- oder Satoguni-Nahrung gelten. Diese Nahrung ist rein und bringt Heiterkeit und Ausgeglichenheit mit sich, wie sie Weise und Seher auszeichnet. Die Heiligen und Einsiedler, die sich in einsame Höhlen und Hütten zurückzogen, um zu meditieren, bevorzugten immer Kand (Kartoffeln), süße Kartoffeln, Zamikund oder Artischocken usw., die unter der Erde wachsen und gedeihen. Sie aßen auch Mool (Wurzelgemüse) und Phal (Obst): Mool, die eßbaren Wurzeln, wachsen auch unter der Erde wie Rettich, Steckrübe und Rote Rübe. Phal (Obst) lieferte ihnen genügend Vitamine und organische Salze in ihrer reinen Grundform, um sie für ein Leben der Konzentration und Meditation tauglich zu machen. Einige der Nahrungsmittel gibt es natürlich in Fülle, während andere mühsam angebaut werden müssen. Die Körner und das Getreide waren für die Allgemeinheit gedacht.

Satvic oder die reine Nahrung aus Mool, Kad, Phal und Kuhmilch usw., verlängert das Leben und heilt eine Anzahl von Krankheiten und Leiden. Ihr Nutzen wurde inzwischen auch von der Medizin erkannt. Heutzutage werden viele Medikamente aus Kräutern, Früchten und Samenkörnern hergestellt und haben sich als sehr wirksam erwiesen. Ebenso zeigen alle natürlichen Heilverfahren wie Sonnenbäder, Seebäder, Moorbäder, Wasseranwendungen, Massagen, Physiotherapie, Naturheilkunde und Chromotherapie wunderbare Erfolge. Die Satvic-Nahrung und eine einfache Lebensweise kommen der Entwicklung höchster Kultur und Zivilisation zustatten. Wir müssen daran denken, daß die Nahrung für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Nahrung. Essen, um zu leben, und nicht leben, um zu essen, sollte unser Lebensgrundsatz sein. Wenn wir das befolgen, entwickeln wir Empfänglichkeit für die höheren Dinge des Lebens, die ethischen und spirituellen Werte, was allmählich zur Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis führt.

Rajsik oder krafterzeugende Nahrung umfaßt neben den pflanzlichen Nahrungsmitteln auch Produkte wie Milch, Sahne, Butter, Butterschmalz (Ghee) usw. von anderen Tieren als von Kühen, wenn sie in Maßen genommen werden. Im alten Indien war der Genuß von Milch hauptsächlich auf die Fürstenklasse beschränkt, da die Fürsten mehr Kraft brauchten, um das rauhe, ungestüme und ungesittete Volk, das nicht nach festen Lebensgrundsätzen lebte, unter Kontrolle zu halten. Das Melken des Milchviehs war erst dann gestattet, wenn die Kuh das Jungtier zur Welt gebracht hatte und gut versorgt war, und man ließ immer genügend Milch für die Ernährung ihres eigenen Nachkömmlings, des Kalbes, im Euter. Der Überschuß an Milch war Menschen unter besonderen Umständen erlaubt. Diese besondere Regel zielte darauf ab, die junge Zivilisation vor Degeneration zu bewahren. Auch die Rishis der alten Zeit machten maßvoll von Milch Gebrauch und ließen für den Bedarf und die Aufzucht der Jungtiere genügend Milch im Euter. Diese Rishis lebten allein und ziemlich abgeschieden und verbrachten die meiste Zeit in Meditation.

Die überlieferte Sitte, nur die überschüssige Milch zu nehmen, ist jetzt noch in einigen indischen Dörfern gültig. Aber im allgemeinen verletzt der Mensch von heute in seiner Sucht nach zügelloser Macht alle Gesetze der Natur unter dem Vorwand der sogenannten Freiheit, die er für sich beansprucht. Der Mensch ist unglückseligerweise darauf verfallen, an den Grundsatz zu glauben, daß der Zäheste überlebt, und muß für diese unkluge Einstellung teuer bezahlen.

Die einzige Überlegung des Menschen von heute ist, soviel Milch wie nur möglich zu bekommen, selbst auf Kosten der Kälber. An manchen Orten wirft man sie sofort, nachdem sie geboren sind, in kochendes Wasser, und legt den Kühen Melkmaschinen an die Euter, um auch noch den letzten Tropfen Milch herauszusaugen, damit man im Handelswettbewerb und beim Profitmachen Schritt halten kann. Das nennen dann einige stolz ‘hohes technisches Können’ und ‘Zivilisation’. Unsere jungen Reformer von heute drängen der Menschheit ein solches Handwerk und solche Praktiken auf, statt Ackerbau und Viehzucht zu verbessern und einen erweiterten Viehbestand heranzuzüchten, alles harmlose Unterfangen, die den drückenden Mangel – worüber ja heute soviel gesprochen wird – beseitigen könnten.

Tamsik oder abstumpfende Nahrung sind Fleisch und Spirituosen, Knoblauch usw. oder eigentlich alles andere Eßbare, ob es natürlich oder unnatürlich, alt oder frisch ist. Wer hemmungslos und uneingeschränkt alles ißt, der lebt, um zu essen, aber ißt nicht, um zu leben. Sein Lebensziel ist der Genuß, und sein Motto heißt: „Iß, trink und sei vergnügt.” Diese Menschen stürzen sich kopfüber in das, was sie die Freuden des Lebens nennen. Wenn sie mit ein wenig Konzentrationskraft gesegnet sind, setzen sie ihre ganze Energie (physisch und gedanklich) zur Verherrlichung ihres kleinen Selbst ein, des egoistischen Gemüts. Diese Handlungsweise bezeichnet der Mensch gerne als höhere Stufe der Kultur. Die Meister der höchsten Ordnung verbieten eine solche Lebensweise mit aller Striktheit all jenen, die nach der Erkenntnis des Geistes im Menschen und der letztlichen Befreiung der Seele von den Fesseln des Gemüts und der Materie suchen.

Werden denkende Menschen hier kurz anhalten, um die wirkliche Lage des Menschen zu bedenken und zu erkennen? Warum ist er so stolz darauf, sich selbst das edelste der Geschöpfe, die Krone der Schöpfung, zu nennen oder nennen zu lassen? Wohin treibt der Mensch so unbesonnen? Steht er nicht am Rande eines fürchterlichen, ungeheuer tiefen Abgrundes, in den er jeden Augenblick hinunterstürzen kann? Durch sein eigenes Verhalten hat er sich leichtsinnig der Rache der Natur ausgesetzt. Stündlich ist er in Gefahr, in die tiefsten Tiefen physischer und moralischer Vernichtung gerissen zu werden.

Der Mensch hat sich im Hinblick auf seine Ernährung die wilden Tiere des Dschungels zum Vorbild genommen und verhält sich wie ein wildes Tier. Er tut sich nicht nur am Fleisch der harmlosen Tiere, wie Kuh und Ziege, Reh und Schaf, gütlich, an dem der unschuldigen Vögel in der Luft und der Fische im Wasser, sondern vergreift sich im Grunde genommen auch an Fleisch und Blut des Menschen, um seinen unersättlichen Hunger nach Gold und Reichtum zu befriedigen. Er ist seinen Weg der Selbstvergötterung, den er stolz Fortschritt nennt, noch nicht zu Ende gegangen. Möge er gut nachdenken über die Grundwahrheiten, aufgrund derer die Meister vegetarische Ernährung empfehlen und vorschreiben.

Auch die Pflanzen haben latentes Leben, wie es die Wissenschaftler der ganzen Welt nachgewiesen haben. Weil wir aber unsere Rolle im Panorama des Lebens auf der Bühne der Welt spielen müssen und uns ernähren müssen, um Körper und Seele zusammenzuhalten, sind wir auf das, was die Erde hervorbringt, angewiesen.

Natürlich ist Leben in den Pflanzen, Früchten und Körnern. Das Wesensmerkmal des Lebens ist Wachstum und Verfall. So war es schon immer, seit frühester Zeit. Es ist keine neue Erkenntnis, wenn auch einige Wissenschaftler wieder auf diese Wahrheit gestoßen sind und sie als ihre eigene Entdeckung ausgeben.

Aber kommen wir nun zur Sache. In der ganzen Schöpfung gilt das Naturgesetz, daß Leben von Leben abhängig ist. Wie die Geschöpfe anderer Schöpfungsstufen erhält sich auch der Mensch dadurch, daß er etwas ißt, das Leben in sich hat. Rein äußerlich sieht es so aus, als befände sich der Mensch in bezug auf das Karma in derselben Lage wie andere Geschöpfe niedrigerer Lebensordnungen wie Warmblütler, Reptilien und dergleichen.

Die Natur hat noch ein anderes Antriebsrad, das in dieser materiellen Welt wirkt, nämlich das Gesetz der Evolution. Es sorgt dafür, daß alle Lebewesen sich von einer Stufe zur nächsten entwickeln. Und da sie jeweils von einer Stufe der Schöpfung zur nächsthöheren fortschreiten, unterscheidet sich jedes Wesen in seiner Wertigkeit von der niedrigeren Stufe. Der Maßstab, der sowohl den Gattungswert als auch den inneren Wert bestimmt, sind Materie und Intellekt: Je wertvoller die Bestandteile der Materie, die in einem Wesen überwiegend vorhanden sind, desto mehr Verstand besitzt es und desto höher ist sein Wert. Die Heiligen wenden bei der Lösung der Ernährungsfrage für den Menschen dieses Gesetz an. Ob er darauf achtet oder nicht, sie führen dem Menschen dieses Gesetz vor Augen, damit er seine Ernährung verbessert und dadurch soweit wie nur möglich einer schweren karmischen Verkettung entgeht, in der er unentrinnbar festgehalten wird.

Jede Art von Nahrung hat eine ihr eigene Wirkung auf den Menschen, die sich dem Erreichen des höchsten Zieles, der Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis, hinderlich in den Weg stellt. Dieses Gesetz stimmt mit dem überein, was der Mensch allgemein für richtig hält, obgleich er sich der Gründe seines Verhaltens nicht bewußt ist. Wenn man die folgenden Gegebenheiten des täglichen Lebens vergleicht, wird jeder überrascht feststellen, daß das, was für ihn im Alltag selbstverständlich ist, völlig mit dem Naturgesetz übereinstimmt, das hier erklärt wird.

Der menschliche Körper, in dem alle fünf Tattwas (die schöpferischen und zusammenwirkenden Elemente – Erde, Wasser, Luft, Feuer und Äther) voll tätig sind, wird am höchsten bewertet. Daher steht er an der Spitze aller erschaffenen Wesen und gilt als Gott, dem Schöpfer, am nächsten. Der Mord an Mitmenschen wird als das verruchteste aller Verbrechen angesehen, worauf die Höchststrafe oder Todesstrafe steht. Der nächste höhere Wert wird den Vierfüßlern und anderen Tieren beigemessen, in denen vier Tattwas aktiv sind, während das fünfte, der Äther, nahezu fehlt oder nur in unbedeutender Menge vorhanden ist. Das vorsätzliche Töten eines Tieres, das jemand anderem gehört, zieht eine Strafe nach sich, die dem Wert des in Frage stehenden Tieres entspricht. Dann kommen die Vögel mit drei aktiven Elementen, nämlich Wasser, Feuer und Luft. Entsprechend werden sie nach ihrem Gattungswert geschätzt. Noch geringer ist der Wert von Geschöpfen mit nur zwei aktiven Elementen, nämlich Erde und Feuer, wobei die übrigen drei ruhen oder in latenter Form vorhanden sind wie bei den Reptilien, Würmern und Insekten, die ohne die geringsten Gewissensbisse getötet und zertreten werden, da auch keine Strafe damit verbunden ist. Der geringste Wert wird den Wurzeln, Gemüsen und Früchten beigemessen, in denen nur das Wasser-Element aktiv ist und überwiegt, während die restlichen vier nur latent vorhanden sind.

Karmisch gesehen ist daher die vegetabile und fructabile Kost die Nahrung, die den geringsten Schmerz verursacht und für den Menschen, der sich davon ernährt, die wenigsten karmischen Schulden anhäuft. Er muß sich deswegen mit dieser Art von Nahrung zufriedengeben, solange er ohne sie nicht auskommt und nicht auf etwas zurückgreifen kann, das überhaupt keine Folgen nach sich zieht.

(Übersetzung aus dem Buch The Wheel of life: The law of action and reaction von Sant Kirpal Singh. Appendix I, Chapter 2 Ahar or Diet)


Fragen und Antworten

Frage: Menschen, die an der Lehre interessiert sind, stellen oft die Frage, warum man keine Eier essen soll, denn heutzutage sind die Eier nicht befruchtet und es können keine Kücken daraus entstehen.

Meister: Als erstes: Woher hat man die Gewißheit, daß jedes Ei unbefruchtet ist? Kann man das sicher sagen? So viele Eier werden dann doch vermischt. Wenn sie in den Läden verkauft werden, kann man sie nicht mehr unterscheiden. Man kann nicht definitiv kennzeichnen, welche befruchtet und welche unbefruchtet sind – das ist das erste. Der zweite Grund, warum man keine Eier verwenden sollte, ist, daß sie die Leidenschaften anregen. Nahrung, die leidenschaftlich macht, soll man nicht verwenden. Man sagt, in ... sei es sehr kalt. Ich war 3 Monate lang dort, und habe noch niemals Eier zu mir genommen. Ich empfand es nie als notwendig. Wenn euer Magen in Ordnung ist – eßt weniger, als ihr eigentlich essen möchtet – , werdet ihr nicht krank. Das ist also der Grund.

Frage: Oft wird man von Nicht-Initiierten eingeladen. Sie bieten dann Essen an, und es wird von uns erwartet, daß wir es essen. Tut man es nicht, sind sie verletzt.

Meister: Wenn euch jemand Gift anbietet, werdet ihr es nehmen? Lehnt es höflich ab, vor allem, wenn es Gift ( für euch) ist. Jemand kam einmal zu mir und sagte: „In der Bibel heißt es, wenn einem etwas angeboten wird, dann soll man es nehmen.” Er zitierte so etwas ähnliches und sagte: „Wenn mir jemand etwas zu essen anbietet, werde ich es annehmen.” Aus diesem Grund erhielt er die Initiation nicht. Ich gab sie ihm nicht. Wenn euch jemand Fleisch anbietet und ihr eßt es – was dann? Ihr müßt darauf achten, was ihr zu euch nehmt. Wenn ein Freund erkennt, daß etwas nicht gut für euch ist, möchte er euch doch kein Gift geben. Wenn ein Freund euch etwas anbietet, und er genau weiß, daß es nicht gut ist für euch, wird er euch drängen, es zu essen? Nein. Das ist eine Sache des gesunden Menschenverstandes. Das sind nur leere Ausflüchte, würde ich sagen. Diejenigen, die es so begründen, hätten gern eine Entschuldigung, um diese Dinge essen zu können, das ist alles.

Bisher ist es noch nie vorgekommen, daß ich irgendwo eingeladen war und gedrängt wurde, Fleisch zu essen. Manchmal aßen die Leute selbst keines. Wenn die Leute aber selbst Fleisch aßen, luden sie mich nicht ein. Aber auch wenn ich eingeladen wurde und es dort Fleisch gab, aß ich keines; das ist alles.

Eßt nur, was notwendig ist. In Amerika waren wir zu einem Bankett eingeladen, das so üppig war, daß nicht einmal Könige so viele Arten von Fisch und Fleisch hätten anbieten können. Die Platten wurden uns gereicht. Ich trank nur eine Tasse Tee! Auch die anderen, die mit mir gekommen waren, nahmen nichts. Dann brachten sie auch noch Schüsseln. Es wurden mehr als 50, 70, 80 verschiedene Platten gereicht.

Frage: Manchmal wird man nicht von Freunden, sondern von Kollegen oder vom Chef eingeladen. Und wenn man die Einladung nicht annimmt, verletzt man sie.

Meister: Wenn sie mich einladen, gehe ich hin. Ich nehme dann nur das, was ich möchte. Sie können euch nicht mit Gewalt das Essen in den Mund stecken.

Frage: Wir gehen auch manchmal zu Cocktail-Parties, das ist (für uns) sehr wichtig. Wir trinken dann nur Ginger Ale und essen ein paar Nüsse oder so etwas.

Meister: Ja, nehmt das, was für euch geeignet ist. Wenn die Leute Bescheid wissen, bereiten sie im allgemeinen keine Gerichte vor, die ihr nicht essen könnt. Wenn sie nichts wissen, ist es etwas anderes. Ihr braucht dann nicht eure Abneigung zu zeigen, eßt einfach nur das, was ihr möchtet. Das sind kleine alltägliche Dinge. Wir müssen unseren gesunden Menschenverstand anwenden. Wie ich euch schon sagte: Würdet ihr es annehmen, wenn euch jemand Gift anböte,  selbst wenn es euer Freund ist? Weist es höflich zurück, lehnt es höflich ab: „Es ist nicht gut für mich, trotzdem vielen Dank.” Wenn die Menschen mit euch in Kontakt kommen und Bescheid wissen, werden sie euch nicht drängen. Wenn sie aus Unwissenheit etwas zubereiten, verletzt sie nicht, lehnt es auf höfliche Weise ab.

Frage: Ich esse so gern ... (jeder lacht, aber Meister unterbricht sie mit den Worten: Nein, nein, diese Frage betrifft uns alle – nicht nur einen, sondern jeden, den meisten von uns geht es genauso), ... aber ich möchte nicht immer ans Essen denken. Da ich aber in einer vegetarischen Küche arbeite, wird durch meinen Beruf mein Gemüt dorthin gelenkt. Würde ein anderer Job das Problem lösen?

Meister: Ich denke, ich habe euch schon so oft gesagt: Tut eine Sache zu einer Zeit, voll und ganz. Wenn du in der Küche bist, sei dort und verrichte deine Arbeit. Nimm nur die Nahrung zu dir, die für dich geeignet ist, und nur soviel, wie notwendig ist. Laß die Hälfte deines Magens mit Nahrung gefüllt sein, ein Viertel mit Wasser und laß ein Viertel leer bleiben. Das beste Kriterium ist, den Tisch zu verlassen, wenn du noch hungrig bist. Iß einen Bissen weniger, als du brauchst. Kontrolliere diesen Bereich. Es ist nicht notwendig, deinen Beruf zu wechseln. Wenn du dich so verhältst, wird es in Ordnung kommen.

(Übersetzung aus dem Buch Light of Kirpal von Sant Kirpal Singh, Auszug aus Kapitel 69)


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