Gefahren
von geistigem Heilen,
Yoga und okkulten Kräften


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INHALT

Die höchste Form des Yoga
Was ist Meditation? – Wer ist der Meister?
Fernsehinterview mit Sant Kirpal Singh
Aus einem Brief Sant Kirpal Singhs an einen Schüler
Geistiges Heilen und okkulte Kräfte

4. überarbeitete Auflage – Juni 1997


Die höchste Form des Yoga

Sant Kirpal Singh

Ich darf euch als „meine Kinder“ anreden, und ich freue mich, daß auch ihr Religion studiert, denn das ist ein äußerst wichtiges Fach, das direkt unser eigenes Selbst betrifft. Das Wort Religion bedeutet „re“ – zurück und „ligio“ – binden. Unsere Seele wieder mit Gott zu verbinden, das ist die Bedeutung des Wortes Religion. Ähnlich stammt der Begriff „Yoga“ von der Wurzel „yuj“ ab, was bedeutet, unser Selbst mit Gott zu vereinen. Die Religionsgemeinschaften entstanden nur, um zu lehren, wie wir uns mit Gott verbinden können – das ist das letzte Ziel aller äußeren Religionen. Die Wissensgrundlage für all diese Religionen ist ein und dieselbe, gleichgültig, ob sie aus dem Osten oder dem Westen kommen – da gibt es keinen Unterschied.

Es gibt eine Vielzahl von Yogaarten, und auch ihr Ziel ist ein und dasselbe – Gott zu erkennen. Das letzte Ziel aller Yogasysteme ist, in Brahm versunken zu sein, in Gott aufzugehen. Es gibt Hatha Yoga, Prana Yoga, Bhakti Yoga, Gyan Yoga (usw.), und das letzte Ziel aller Yogaarten ist es, mit unserem Selbst in Gott aufzugehen – eins mit Ihm zu werden. Das Ziel bei allen Yogaarten ist also, wie Shankara es darlegt, in den Samadhi einzugehen, um eine Erfahrung von Gott erhalten zu können. Doch es gibt zwei Arten von Samadhi: Der eine ist auf der Ebene der Materie und der andere ist bewußter Samadhi. In vielen Fällen wird man feststellen, daß Menschen den unbewußten Samadhi erfahren; sie lassen sich (zum Beispiel) für einige Tage bei lebendigem Leibe eingraben und kommen dann wieder zurück. Doch das ist kein bewußter Samadhi. Es gibt eine höhere Art von Samadhi, den man „bewußter Samadhi“ nennt, da man dabei innerlich bewußt bleibt. Hatha Yoga ermöglicht es, körperlich leistungsfähig zu bleiben – jeder Yoga hat seinen eigenen Schwerpunkt. Prana Yoga kann euer Leben verlängern. Normalerweise atmen wir ungefähr acht bis zehn Mal in der Minute. Wenn man Prana Yoga praktiziert, kann man den Atem kontrollieren (d.h. seine Frequenz reduzieren) und dadurch soweit wie möglich sein Leben verlängern. Dann gibt es Bhakti Yoga, den Yoga der Hingabe. Um diesen Yoga zu praktizieren, muß man von einer Hypothese ausgehen. Doch das führt letztlich nicht zu Brahm – der formlosen Stufe. Ihr wißt, Paramhansa Ramakrishna folgte dem Bhakti Yoga – dem idealen Bhakti Yoga im Osten – und er verehrte Gott in der Form der Mutter. Er sah die Mutter überall – im Inneren und im Äußeren. Doch er konnte sich nicht zur formlosen Stufe erheben. Schließlich ging er zu seinem Guru, der Totapuri hieß, und sagte zu ihm: „Überall sehe ich die Form der Mutter, aber ich kann mich nicht über diese Dualität erheben. Wie ist das möglich?“ Da nahm Totapuri eine Glasscherbe und drückte sie ihm zwischen die beiden Augenbrauen. Gleichzeitig gab er ihm einen Auftrieb, und so konnte er sich in den Samadhi erheben.

Als nächstes kommt Gyan Yoga, der auch Jnana Yoga genannt wird. Auch in diesem Yoga kann man nur kleine Einblicke ins Jenseits bekommen, man kann dort nicht immer bleiben. Eine Erklärung dafür gibt die östliche Philosophie, die beschreibt, daß die Seele von verschiedenen Umhüllungen bedeckt ist. Es gibt „Ana-mai-kosh“, „Pran-mai-kosh“, und „Vigyan-mai-kosh“ ist ebenfalls eine dieser Hüllen – es ist nicht das letzte Ziel. Shankara lehrte: „Es ist alles der formlose Zustand und man kann in ihn eintreten.“ Doch Ramanuja stimmte nicht mit ihm überein, sondern gab dem Vashisht Yoga recht, der behauptet, daß man zwar im Samadhi vom Allbewußtsein durchdrungen werden, aber nicht die formlose Stufe erreichen kann. Ramakrishna und die anderen weisen darauf hin, daß man sich über das Körperbewußtsein erheben muß, und sie kamen voran.

Patanjali teilte alle Yogaarten in ein abgestuftes System ein. Zusammenfassend stellte er zwei Dinge fest – einmal, daß es für die Seele möglich ist, sich über das Körperbewußtsein zu erheben, und zum anderen, daß die Seele ihre Energien konzentrieren kann, ohne den anstrengenden Weg über die Pranas zu nehmen. Beim Prana Yoga muß man den Atem kontrollieren. Schließlich kam er (Patanjali) zu dem Schluß, daß man sich auch ohne die Pranas erheben kann. Die volle Verwirklichung oder der wahre Samadhi bedeutet nicht, sich nur vom physischen Körper zurückzuziehen, wenn das auch der erste Schritt ist – das ABC des Jenseits fängt an, wenn ihr euch über das Körperbewußtsein erhebt. Wo die Philosophien der Welt enden, beginnt die wahre Religion. Dieses ABC beginnt also, wenn ihr euch über das Körperbewußtsein erhebt.

Die Aufmerksamkeit ins Jenseits zu bringen ist sehr schwierig, manche Menschen, die nicht die rechte Führung erhalten, können sich leicht verlieren. Aus diesem Grund haben (die Meister) erklärt, daß wir einen Weg brauchen, bei dem wir von der Bindung frei werden. Ihr werdet feststellen, daß Hatha Yoga, Prana Yoga, Bhakti Yoga und Jnana Yoga keine endgültige Befreiung aus den bestehenden Fesseln ermöglichen, auch nicht Schritt für Schritt. Wir brauchen etwas, das uns in jeder Hinsicht hilft. Prana Yoga kann uns nur bis zu einer bestimmten Stufe bringen, Jnana Yoga kann uns nur einen kleinen Einblick ins Jenseits gewähren, wir können nicht immer dort bleiben. Aus diesem Grund war Ramanuja nicht mit seinem Vorgänger einverstanden. Er lehrte Vashisht Yoga (Advaita), der sagt, daß man Zugang zum Jenseits haben kann, aber dort nicht im unbedingten Zustand bleiben kann.

Schließlich kommt der Yoga des Tonstroms, welcher die höchste Form von Yoga und der natürliche Yoga ist. Dieser Yoga überwindet all die Probleme, die es bei anderen Yogaarten gibt. Er ist der natürlichste und leichteste von allen. Er kann von jedermann praktiziert werden – gleichgültig, ob er jung oder alt ist. Die Meister dieses Yoga lehren uns, daß der Absolute Gott, obwohl Er in Seinem ursprünglichen Zustand ohne Attribute ist, sich selbst in Formen projizierte und zwei ursprüngliche Attribute hat: Licht und Ton. Als Gott den Wunsch hatte: „Ich bin Einer und möchte Viele werden“, gab es eine Schwingung, und diese Schwingung trat als Licht und Ton in Erscheinung. Gott ist also das Licht- und Tonprinzip, Gott ist die „Musik der Sphären“. Gott wird „Nada“ und „die Stimme Gottes“ genannt. So gibt es zwei Erscheinungsformen, zwei äußere Aspekte der sich zum Ausdruck bringenden Gotteskraft, die das „Wort“ genannt wird. „Das Wortlose kam ins Dasein und wurde zum Wort.“ – „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Die gesamte Schöpfung kam danach ins Sein. Diese Kraft, die sich zum Ausdruck bringt, wird also „Wort“ genannt, und in anderen Terminologien wurde es so bezeichnet: „Das Namenlose kam ins Sein, es wird Naam genannt.“ – „Zuerst war es Ashabd, dann kam es ins Sein und wurde Shabd genannt.“ Es ist also die Ursache der gesamten Schöpfung, es beherrscht und durchdringt die ganze Schöpfung. Alles ist eine Offenbarung dieser Kraft. Alle Schriften, die uns heute zur Verfügung stehen, sprechen davon – dies ist der natürliche Yoga. Es wird das „Wort“ genannt. Mohammedanische Heilige nannten es „Sultan-ul-Askar“, den König aller Meditation. Es wird auch „Nada“ genannt, „Kalam-i-Qadim“ in ihrer Terminologie.

Wie ich bereits ausführte, war also am Anfang das „Wort“, und das „Wort“ war bei Gott, und Gott war das „Wort“, und die ganze Schöpfung kam danach ins Sein. Als der „Namenlose“ oder „Wortlose Eine“ – ihr mögt Ihn den Absoluten Gott nennen – ins Sein kam, wurde diese Gotteskraft, die sich zum Ausdruck brachte, „Wort“, „Naam“, „Shabd“ oder „Kalam-i-Qadim“ genannt. Und diese Kraft hat zwei Aspekte: Licht und Ton. Das ist es, was Christus sagte, und alle anderen ebenfalls. Jenes „Shabd“ ist die Ursache der gesamten Schöpfung. Diese Schöpfung kam durch „Shabd“ ins Sein, sie geht wieder in „Shabd“ zurück, und wieder beginnt eine neue Schöpfung. „Shabd“ ist also eine Kraft, und aus „Shabd“ wurde das Licht geboren. Das sagen alle Meister: „Als Gott den Wunsch hatte, aus Einem Viele zu werden, entstand Licht, und dann folgte der Ton.“ Aus „Shabd“ entstand die ganze Schöpfung. „Shabd“ ist der tatsächliche, wesentliche Kern von allem, „Shabd“ ist die lenkende Kraft, die ausführende Kraft Gottes, die Ursache der ganzen Schöpfung. Ihr findet das in allen Schriften. Shamaz Tabrez erklärt uns: „Die ganze Schöpfung kam durch ‚Saut‘ ins Sein“ – „Saut“ bedeutet in arabischer Sprache „Wort“ oder „Ton“ – „und aus ‚Saut‘ ging alles Licht hervor.“ Ihr wißt, daß Moses die Gebote Gottes inmitten von Donner und Blitz empfing. Ich führe euch noch einige Zitate an. Auch Zoroaster sprach davon. Er bezeichnet Licht und Ton als das „nicht angezündete Feuer“ und als „Sarosha“. Der Taoismus spricht ebenfalls vom „schöpferischen Wort“ und dem „göttlichen Licht“. Außerdem wird es „Nada“ genannt oder „Udgit“, die Musik aus dem Jenseits. Es heißt „Akash Bani“, der Ton, der von oben kommt, „Naam“, „Shabd“ oder „Saut“. So viele Namen wurden ihm gegeben: „Bang-i-Asmani“, „Nida-i-Asmani“, „Sarosha“, „Tao“, „Yoti“, „Prakash“, „Tajalli“ – alle bedeuten dasselbe: Licht und Ton. Als Gott sich zum Ausdruck brachte, gab es eine Schwingung und aus dieser Schwingung ergaben sich zwei Dinge: Licht und Ton, und Licht und Ton sind der Weg zurück zum Absoluten Gott. Wenn es euch gelingt, euch an einem Sonnenstrahl festzuhalten, wohin wird er euch führen? Zur Sonne, von der er ausgeht.

Wie ich euch bereits erklärte, hat jeder Yoga seine Reichweite, und dies ist der Yoga, der zum Ziel hat, euch zum Absoluten Gott zurückzubringen. In der Offenbarung des Johannes werdet ihr finden: „Seine Augen waren wie die Flammen des Feuers, Seine Stimme klang wie das Rauschen des Wasserfalls. Sein Antlitz war strahlend wie die Sonne!“ Dies sind Aussagen derer, die Erfahrungen hatten vom Jenseits und von der Kraft, die sich zum Ausdruck bringt. „Und ich hörte eine Stimme von rauschendem Wasser und tosendem Donner.“ – „Und ich hörte den Klang von himmlischen Harfen.“ Diese Aussagen gelten für Christen, Inder, Franzosen, Chinesen, Menschen in Mittelasien oder anderswo. Die, die nach innen gingen, (sagten alle dasselbe), dies ist die zentrale Lehre von allen. Im Osten wird in den Upanishaden davon gesprochen: „Es gibt eine Sonne von Mahabrahmand, dem Makrokosmos. Von dort geht ein Ton aus.“ Dies war die geheime Lehre, wie sie Krishna, dem Sohn von Devaki, von Ingrish Rishi gegeben wurde – es ist die älteste Lehre überhaupt. Das war die grundlegende Lehre aller (Meister). Auch Guru Nanak sprach davon: „Es gibt ein inneres Licht, aus dem der Ton hervorkommt. Wenn ihr mit ihm in Verbindung kommt, wird es euch zum letzten Ziel führen, von wo die sich zum Ausdruck bringende Gotteskraft ins Sein kam.“ Auch Paltu, ein anderer Heiliger, sagt dasselbe: „In euch ist ein Licht, aus dem ein Ton hervorgeht. Wer kann ihn hören? Nur wer in den Samadhi eingeht, wer sich über das Körperbewußtsein erhebt.“ Der erste Schritt ist also, sich über das Körperbewußtsein zu erheben, und dafür werden viele Wege aufgezeigt.

Auch das Pranasystem bietet so einen Weg, doch es ist ein sehr harter Weg, für den nicht jeder geeignet ist. Ihr müßt dabei Kumbhak ausüben, und das ist nicht natürlich. Beim Bhakti Yoga müßt ihr Hypothesen aufstellen, um zu beginnen, und ihr könnt euch damit nicht über die Dualität erheben. Beim Jnana Yoga könnt ihr nur einen kleinen Einblick ins Jenseits erhalten, denn Jnana ist auch eine der vielen Umhüllungen der Seele, so wie es in den Schriften beschrieben ist. Wenn aber noch eine Umhüllung da ist, wie kann man sich dann in den formlosen Zustand erheben? Der natürliche Weg ist der einzige Weg zurück zu Gott – ohne Hypothesen, ohne Nachdenken – es ist eine direkte Verbindung mit der Gotteskraft, die sich in den beiden Aspekten von Licht und Ton zum Ausdruck bringt. In der „Nad Upanishad“ geht es nur um dieses Tonprinzip. Dort heißt es: „Zuerst ist ein Murmeln zu hören wie das Rauschen der Wellen des Ozeans, wie der fallende Regen, das Fließen des Baches. Danach hört man die ‚Bhervi‘, vermischt mit dem Klang der Glocken und Muschelhörner.“ Versteht ihr nun, warum in unseren Kirchen die Glocken geläutet werden? Und in den Tempeln? Warum in Kirchen, Tempeln und an anderen Orten der Verehrung immer ein Licht entzündet wird? Diese Gotteshäuser sind nach dem Modell des menschlichen Körpers errichtet worden. Tempel sind kuppelförmig; dort zündet man eine Kerze an, und wer eintritt, läutet die Glocke. Kirchen sind lang und haben die Form der Nase, und auch dort gibt es das Licht und regelmäßiges Glockenläuten. Und was ist der Unterschied zwischen den beiden? In der Kirche läutet die Glocke (zu bestimmten Zeiten), während im Tempel jeder, der eintritt, die Glocke läutet. Das sind Symbole, die uns an Gott erinnern sollen – es sind Symbole für die beiden Aspekte der Gotteskraft, die sich in Licht und Ton zum Ausdruck bringt.

Der wahre Tempel Gottes aber ist der menschliche Körper, in dem wir wohnen. Wir sind bewußte Wesenheiten, Tropfen aus dem Meer allen Bewußtseins. Wir sind Geist, der im menschlichen Körper wohnt. Warum haben wir Angst zu sterben, wenn der Geist doch ewig ist! Der menschliche Körper ist also der wahre Tempel Gottes und wird deshalb als die höchste Form in der Schöpfung betrachtet. Er steht Gott am nächsten. Im Koran wird gesagt, daß die Engel sich vor dem menschlichen Körper verbeugen mußten, als er geschaffen wurde. Den einzigen Weg zurück zu Gott kann man nur im menschlichen Körper erhalten. Der menschliche Körper ist eine goldene Gelegenheit. Alle Meister sprachen davon, ich habe sie zitiert. Auch Prophet Mohammed hörte diese himmlische Musik, die sich zu Worten formte und schließlich die Gestalt von Gabriel annahm. Und wißt ihr, daß die, die eine Pilgerfahrt nach Mekka unternehmen, zuerst die Höhle Hira besuchen, wo Prophet Mohammed sechs Jahre lang war und auf den Ton hörte? Als Prophet Mohammed auf das Licht- und Tonprinzip eingestimmt war, hörte er Botschaften aus den höheren Ebenen. Kennt ihr Baha U’llah? Habt ihr seinen Namen schon einmal gehört? Er war ein Mystiker, doch er verbrachte sein ganzes Leben im Gefängnis. Auch er gibt Hinweise auf den „flammenden Ton“ oder das „klingende Licht“ als den äußeren Ausdruck der Gotteskraft.

Es gibt (diese Kraft in) zwei Formen in uns. Sokrates drückt es so aus: „Ich hörte einen Klang, der mich in eine neue Welt brachte!“ Plato bezeichnet es als die „Musik der Sphären“. Pythagoras nennt es die „Musik aller Harmonien“ und die „Wahrheit, die in Licht gekleidet ist“. Ähnliche Hinweise gibt es bei Zoroaster, in den Upanishaden und bei den Buddhisten. Lord Buddha rief in den letzten Tagen seines Lebens alle seine Schüler zu sich und fragte sie: „Wie erreicht ihr den diamantenen Samadhi?“ Und alle erwähnten das Licht und den Ton. Dann sagte Lord Buddha: „Mögen die kommenden Generationen wissen, daß das innere Hören der einzige Weg zum diamantenen Samadhi ist.“ Diese Dinge liegen also in uns. Es sind zwei (Formen), die Kraft des Sehens und die Kraft des Hörens. Wenn ihr nach innen geht, seht ihr zuerst Kerzenschimmer – ihr seht Licht, dann folgt der Ton. Durch das Licht könnt ihr sehen, wo ihr seid, und der Ton führt euch den Weg, den ihr gehen müßt. Es gibt Menschen, die versuchen, nur mit dem Licht zu gehen, doch dann werden sie von starkem Licht eingehüllt und wissen nicht, wie sie weitergehen sollen. Nur der Ton kann dort helfen und führen.

Die Meister, die als das „Fleisch gewordene Wort“ kommen und in denen diese Kraft sich offenbart hat, können euch eine Verbindung damit geben, indem sie eure Aufmerksamkeit völlig von außen und dem Körper unten zurückziehen und euer inneres Auge öffnen, so daß ihr das Licht Gottes sehen könnt. „Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib Licht sein!“ Es gibt also das Licht und es gibt den Ton, der euch führt und den Weg zeigt. Das „Fleisch gewordene Wort“ kann euch damit verbinden, Er wird „Stein der Weisen“ – „Paras“ genannt. In Ihm ist diese Kraft offenbart, die in jedem Herzen wohnt.

Der menschliche Körper ist das Haus, in dem wir leben. Es hat neun Tore, die sich nach außen öffnen: zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, den Mund und zwei unten. Dennoch können wir den Körper nicht verlassen. Es gibt eine Kraft, die uns trotz all dieser offenen Tore im Körper zurückhält. Diese Kraft ist die sich zum Ausdruck bringende Gotteskraft, die von den Meistern, die in der Vergangenheit kamen – ob im Osten oder im Westen – mit vielen verschiedenen Namen benannt wurde. Und die beiden äußeren Ausdrucksformen dieser Gotteskraft sind Licht und Ton. Dieses Licht scheint in jedem von uns, und wir können es sehen. Christus sagte: „Ich bin gekommen, um jene Menschen sehend zu machen, die nicht sehen. Jene, die glauben zu sehen, mögen blind sein!“ In der Terminologie der Heiligen bedeutet „blind“, daß euer inneres Auge, euer Einzelauge, nicht geöffnet ist und ihr das Licht Gottes nicht sehen könnt. „Blind“ heißt hier nicht, daß jemand keine Augen im Kopf hat, es bezeichnet einen, dessen inneres Auge nicht geöffnet ist. Es wird auch Drittes Auge, Einzelauge, Shiv Netra, Divya Chakshu oder verborgenes Auge genannt. Dieses Auge ist in jedem von uns.

Was macht der, der das „Fleisch gewordene Wort“ ist? Jene Kraft wohnt bereits in uns, doch unsere Seele, deren äußerer Ausdruck Aufmerksamkeit genannt wird, ist so sehr mit dem Gemüt, den nach außen gerichteten Sinnen, dem Körper und der Welt identifiziert, daß wir uns selbst vergessen haben. Wir können unser Selbst nicht davon unterscheiden. Wir wirken jetzt auf der Ebene des menschlichen Körpers, und dieser Körper wandelt sich jeden Augenblick unseres Lebens. Auch die Welt um uns herum ändert sich mit derselben Geschwindigkeit. Da wir damit identifiziert sind und diese beiden Dinge sich mit derselben Geschwindigkeit wandeln, haben wir den Eindruck, daß sie sich nicht ändern. Das ist eine große optische Täuschung. Wie können wir dem entgehen? Die Meister sagen dazu: „Mensch, erkenne dich selbst! Wer bist du, was bist du wirklich? Bist du nur der Körper? Nein! Du hast den Körper erhalten, den Verstand und die nach außen gerichteten Sinne, doch du bist es, der all das belebt.“ Im allgemeinen verstehen die Menschen unter „wissen“, was auf der Ebene des Fühlens und Denkens liegt – doch das ist dem Irrtum unterworfen. Sehen steht über allem! Und wann kann man von diesem Sehen sprechen? Nur wenn man sich durch Selbstanalyse über das Körperbewußtsein erhebt. Was tut ein Meister, der darin erfahren ist? Unsere Aufmerksamkeit, der äußere Ausdruck unserer Seele, ist so sehr mit dem Körper und der äußeren Welt identifiziert, daß wir uns selbst davon nicht lösen können. So zieht Er eure Aufmerksamkeit völlig von außen und vom Körper unten zurück und bringt sie zum Sitz der Seele, der sich hinter den Augen befindet. An welcher Stelle? Wenn jemand stirbt, richten sich seine Augen nach oben, und von diesem Punkt aus gehen wir ins Jenseits. Plutarch sagt uns: „Die Seele derjenigen, die in die Mysterien des Jenseits initiiert sind, macht dieselbe Erfahrung vom Verlassen des Körpers wie zum Zeitpunkt des Todes.“ Es ist derselbe Vorgang.

Dieser menschliche Körper ist also eine eigene Art von Fabrik, die durch uns in Betrieb gehalten wird. Alle nach außen gerichteten Sinne, die Augen und alle anderen, erhalten die Kraft von uns und dann beherrschen sie uns. Jetzt können wir uns nicht mehr davon trennen. Das erste, was das „Fleisch gewordene Wort“ tut, ist, uns zu zeigen, wie wir uns über das Körperbewußtsein erheben können. Und die Meister fordern uns auf: „Glaubt nicht den Worten eines Meisters, solange ihr nicht mit eigenen Augen gesehen habt! Ihr selbst müßt bestätigen: ‚Ja, ich habe mich über das Körperbewußtsein erhoben!‘“ Das ist der erste Schritt. Wie ich euch schon sagte, beginnt das ABC der Spiritualität tatsächlich erst, wenn ihr euch über das Körperbewußtsein erhebt. Alle Yogas erwähnen das. Dies ist also der einfachste und natürlichste Yoga – er ist selbst einem Kind möglich. Ein junger Mensch kann ihn genauso ausüben wie ein alter.

In früheren Zeiten gab es im Osten ein System. (Auch im Westen gab es das, nur wurden andere Worte dafür verwendet, man nannte es „wiedergeboren werden“, wie in dem Ausspruch von Christus: „Ihr müßt von neuem geboren werden.“) In diesem System erhielten bereits Kinder im Alter von sieben, acht, neun Jahren die „zweite Geburt“. Die erste Geburt ist die Geburt in den menschlichen Körper, und die zweite Geburt führt ins Jenseits. Sie gaben das Gayatri-Mantra. Gayatri-Mantra bedeutet, sich über das Körperbewußtsein zu erheben, den Strahl der Sonne zu ergreifen und die Sonne selbst zu erreichen. Es gibt ein Gebet: „Oh Gott, führe unsere Aufmerksamkeit zur Sonne!“ Sie gaben ihnen das Mantra und gleichzeitig zeigten sie ihnen, wie man sich über das Körperbewußtsein erhebt, wie man das Einzelauge öffnet und das Licht Gottes sieht. Selbst fünfjährigen Kindern! Auch heute noch – es gibt diesen Brauch bis in unsere heutige Zeit. Bei den Hindus erhalten die Kinder dasselbe Gayatri-Mantra, und es wird ihnen gesagt, daß sie „zum zweiten Mal geboren sind“, doch weil es an praktisch erfahrenen Menschen fehlt, kann ihnen niemand zeigen, wie sie sich über das Körperbewußtsein erheben und das Licht Gottes sehen können.

Das Licht ist also in jedem von uns. Christus sagte: „Gebt acht, daß das Licht in euch nicht Dunkelheit ist!“ Dieses Licht ist von so vielen verschiedenen Hüllen umgeben: von der physischen, astralen und kausalen. Und ihr erhaltet einfach etwas, um damit zu beginnen – (diese Hüllen abzulegen). Angenommen, eine Lampe ist von zwei, drei oder vier Hüllen umgeben, so entsteht der Eindruck, als sei kein Licht da. Wenn nun eine Hülle fortgenommen wird, könnt ihr ein wenig Licht wahrnehmen. Wenn ihr die nächste Hülle entfernt, wird das Licht stärker, und wenn ihr alle Hüllen beseitigt habt, könnt ihr das Licht in seiner ganzen Fülle sehen.

Alle Meister gaben also Hinweise auf das Licht im Inneren, das in dem Ausmaß, wie ihr euch über die physische, astrale, kausale und überkausale Ebene erhebt, immer mehr wird. Das letzte Ziel aller Heiligen liegt jenseits all dieser materiellen Ebenen in den rein spirituellen Bereichen. Auch in der Bibel gibt es bei Johannes den Hinweis darauf, daß er auf der dritten Ebene gefangen war. Sie hatten damals dieses Wissen ebenfalls, doch aus Mangel an praktisch erfahrenen Menschen geriet es für euch in Vergessenheit.

Wir finden also an allen heiligen Orten die Symbole von Licht und Ton, und das soll uns einen Hinweis darauf geben, daß dieses Licht und dieser Ton in uns sind. Die äußeren Modelle sind nur für die, die am Anfang stehen, gemacht worden, um sie verstehen zu lassen, daß ein solches Licht in ihnen scheint und ein solcher Ton in ihnen erklingt. Und solange es praktische Menschen gab, zeigten sie es ihnen und gaben den Rat: „Glaubt niemals den Worten eines Meisters, bis ihr nicht selber bezeugen könnt, daß dort Licht ist – ob mehr oder weniger.“ Nehmt an, jemand hält euch einen wundervollen Vortrag, wie man ein Geschäft eröffnet. Doch was können wir tun, wenn wir kein Geld haben? Deshalb geben die Meister immer etwas, womit wir beginnen können – eine Saat, die niemals mehr vergehen kann, die von niemandem mehr weggenommen werden kann, es sei denn durch die Hand des Meisters, der das „Fleisch gewordene Wort“ ist. Dies ist also eine Voraussetzung: Wer kann uns dies zeigen, so daß wir selbst sehen und es bezeugen können? Und die zweite Voraussetzung ist eine wahre Lebensweise. „Die Wahrheit steht über allem, doch noch höher ist die wahre Lebensweise.“ Ein ethisches Leben ist das Sprungbrett zur Spiritualität. Wenn ihr Verhaftungen habt und euch zu sehr an die äußeren Vergnügungen hängt – wie könnt ihr dann eure Aufmerksamkeit davon zurückziehen?

Die Meister öffnen euch den Weg nach oben ein wenig, denn sie sind reine Aufmerksamkeit. Ihr zieht euch dann vom Körper unten zurück und seht mit eigenen Augen, daß dort Licht ist, es mag mehr oder weniger sein. Für jene, die damit in Verbindung kommen wollen, ist ein reines Leben eine Notwendigkeit. „Gesegnet sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!“ Versteht ihr? Tulsi Sahib sagt dazu: „Reinige die Kammer deines Herzens, damit der Geliebte eintreten kann.“ Ihr könnt von einem König nicht erwarten, daß er einen schmutzigen Raum betritt. Selbst ein Hund, der als niedriges Wesen gilt, reinigt zuerst mit seinem Schwanz den Platz, auf dem er sich niederlassen möchte. Können wir erwarten, daß Gott sich in einem Herzen offenbaren wird, das schmutzig ist, voller Lust und schlechter Gedanken über andere? Das ist also das erste, was wir aufgeben müssen.

Wenn die Meister kommen, tasten sie die äußeren Formen, die äußeren Kennzeichen der verschiedenen Religionen nicht an. Die Religionen entstanden erst einige Zeit, nachdem die Meister gegangen waren. Diejenigen, die den Meistern begegneten, hatten direktes Wissen, sie erhielten eine lebendige Erfahrung, einen Beweis davon. Nachdem die Meister dann den Körper verlassen hatten, wurden diese „Geistesschulen“ gegründet, um ihre Lehre lebendig zu erhalten. Und solange es dort praktische Menschen gab, half es den Menschen, Gott zu erkennen. Doch aus Mangel an Menschen der Praxis trat in denselben Gemeinschaften schließlich Stagnation ein, und später zeigte sich Verfall. Und so kommen Meister, um diese Wahrheit neu zu beleben.

„Darf ich Dich unterbrechen und eine Frage stellen?“

Gerne, ich werde sie nach bestem Wissen beantworten.

– Frage bezüglich Lichterfahrungen. –

Dies geschieht auf dem Weg, wenn du dich über die verschiedenen Ebenen erhebst. Wie ich schon erklärt habe, ist Licht da – die Lampe brennt, doch sie ist von verschiedenen Hüllen bedeckt, und so entsteht der Eindruck, es sei dort kein Licht. Wenn du eine Hülle abwirfst, dann siehst du ein wenig Licht; wenn du zwei Hüllen beseitigst, ist mehr Licht zu sehen; bei drei Hüllen noch mehr und so geht es weiter. Hast du bei der Meditation teilgenommen und Licht gesehen? Nein? Andere haben es gesehen!

„Ja!“

Es waren viele, nur zwei bis vier haben kein Licht gesehen, alle anderen von zirka dreihundert Teilnehmern sahen Licht. Es ist also ein ganz exakter Weg, so genau wie zwei plus zwei gleich vier ist. Es ist nur jemand notwendig, der den praktischen Weg kennt. Und dann müssen noch bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, zum Beispiel eine streng vegetarische Diät, keine Rauschmittel usw. Dann treten die Ergebnisse schneller ein. So gab es nur ein paar wenige, die nichts sehen konnten – alle anderen hatten eine Erfahrung.

„Bezüglich der verschiedenen Lichterfahrungen sagtest Du heute morgen, daß manche Menschen etwas aus ihrer Vergangenheit mitbringen.“

Das ist der Hintergrund – die, die einen guten Hintergrund haben, hatten etwas, um damit zu beginnen ... nicht alle – aber einige. Doch sie wissen nicht, wie sie weiter fortschreiten können. Ich habe solche Menschen kennengelernt. Sie sahen Licht und sind zum Augenarzt gegangen; manche hörten den Ton und gingen zum Ohrenarzt, um sich behandeln zu lassen. Manche Menschen haben einen entsprechenden (karmischen) Hintergrund, doch sie brauchen weitere Führung, um fortzuschreiten.

„Meister, Du hast erwähnt, daß wir in unserer Religion bleiben sollen, denn Christus lehrte dieselbe Methode, um Gott zu erreichen.“

Die Meister tasten die äußeren Formen der Religion nicht an, wie ich euch gesagt habe. Die Religionen wurden nur geschaffen, damit viele Menschen Nutzen daraus ziehen sollten. Solange es Menschen der Praxis gab, war dies auch möglich. Praktische Menschen werden gebraucht – doch wie viele gibt es, die euch einen Auftrieb, einen Beweis davon geben können, so daß ihr mit eigenen Augen sehen könnt? Es sollte euch also etwas gegeben werden, ein Startkapital, so daß ihr mit der richtigen Hilfe und Führung weiter fortschreiten könnt, und das letzte Ziel erreicht, von wo Licht und Ton ausgehen.

„Darf ich auch eine Frage stellen?“

Nur keine Bedenken! Ich bin auch ein Schüler des Lebens, wißt ihr – ich höre nie auf zu lernen. Der Mensch lernt und verlernt sein ganzes Leben hindurch. Ich war auch einmal ein Student wie ihr. Ihr werdet eines Tages meinen Platz einnehmen – unseren Platz – ihr seid die Hoffnung für die kommenden Generationen!

„Wenn Jesus dasselbe lehrte, gibt es dann irgendeinen Hinweis auf Reinkarnation oder frühere Leben?“

Auch Christus gab Hinweise darauf. Und ich stehe mit dieser Ansicht nicht allein da, doch wir haben nicht die vollständige historische Überlieferung. Er erwähnt es an einigen Stellen. Doch warum sollten die, die einen Meister trafen, sich über Reinkarnation Gedanken machen? Sie werden nicht in diese Welt zurückkommen! Wenn Er die Menschen nach Hause bringen kann, warum sollten sie dann zurückkommen und wieder eine neue Inkarnation durchlaufen? Dies ist nur für jene von Bedeutung, die solch einem Meister – dem „Fleisch gewordenen Wort“ – nicht begegnet sind. Die, die nach Hause zurückkehren, müssen nicht wiederkommen. Sie kommen nur oder werden nur gesandt, um die in den Kinderschuhen steckende Menschheit zu führen – sie kommen nicht als Gefangene.

 – Fragen unverständlich –

Ja, ja – es gibt Licht im Inneren – das gilt für jeden Menschen, selbst die Kinder können es sehen. Es muß nur ein wenig Auftrieb gegeben werden. – das ist alles. Wo die Philosophien der Welt enden, dort beginnt die wahre Religion, offen gesagt. Die Gemeinschaften oder äußeren Kennzeichen machen nicht die Religion aus – dies sind soziale Gemeinschaften, Geistesschulen. Es zeigt nur, daß wir uns einer bestimmten Geistesrichtung angeschlossen haben, um uns selbst und Gott zu erkennen.

Die grundlegenden Lehren sind dieselben – sie wurden von allen Meistern vertreten, doch wir haben sie leider vergessen, und das liegt daran, daß es an Menschen der Praxis fehlt. Die Meister kommen von Zeit zu Zeit, um das vergessene Wissen wieder zu erneuern.

– Frage –

Seht ihr, ich sage euch, natürlich (wirkt) Gott durch den Meister. Er ist das Wort. Wenn das Wort Fleisch wird, dann respektieren wir Ihn. Wir respektieren Ihn als „Fleisch gewordenes Wort“ – das Wort ist der Meister, in Ihm offenbart es sich. Er (Gott) wohnt in jedem Herzen, doch wir achten Ihn in dem, wo Er sich offenbart. Der Mensch ist der Lehrer des Menschen. Nur ein Mensch kann als Lehrer wirken, nicht eine Stimme vom Himmel. Alle Meister kamen in der menschlichen Gestalt – Jesus, Mohammed usw. Der Lehrer des Menschen ist ein Mensch, der euch auf eurer Ebene begegnet und (wie ihr) durchs Leben geht. Er hat jene Erfahrung gemacht und kann euch diese Erfahrung vermitteln, und ihr werdet es bestätigen. So kamen alle Meister in der Form des Menschen.

Die beste Schule ist die, aus der viele Studenten mit erfolgreichem Abschluß hervorgehen – ist es nicht so? Diese Geistesrichtungen sind Schulen, denen wir beigetreten sind, um Gott zu erkennen. Wenn sie viele Menschen hervorbringen, die Gott erkennen, kommt ihnen alle Ehre zu. Ich denke, aus Mangel an praktischen Menschen haben wir diese Lektion vergessen, und deshalb kommen die Meister von Zeit zu Zeit, um diesen Aspekt zu erneuern, um uns das zu geben, was wir vergessen haben.

Dankt Gott – und ich danke denen, die dieses Gespräch hier möglich gemacht haben!

 

(Sant Kirpal Singh, Chicago – 19.11.1972)

Zu diesem Thema weisen wir vor allem auf das Buch „Die Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh hin.

Der heilige Pfad der Meister bietet (die Möglichkeit)
Einer direkten Verbindung mit der Göttlichkeit im Innern,
Nachdem man sich über das Körperbewußtsein erhoben hat.
Dieses höchste, grundlegende Prinzip unterscheidet den heiligen Pfad
Von allen anderen Geistesschulen.

Sant Kirpal Singh

 


Was ist Meditation? – Wer ist der Meister?

Dr. Harbhajan Singh

Ihr wißt alle, daß es der Zweck des menschlichen Lebens ist, zu einem guten Ende zu kommen, und dafür müssen wir ein Leben entsprechend den Höheren Werten führen. Die Höheren Werte des Lebens verhelfen uns dazu, den tieferen Sinn des Lebens zu erkennen. Das Wissen um die Höheren Werte des Lebens liegt im Menschen selbst, doch solange er sich nicht über die Ebene der Sinne und über die Fesseln des Gemüts erhebt, kann er den wahren Sinn seines Lebens nicht erkennen. Wo alle Philosophien der Welt enden, beginnt die wahre Religion! Den Lehren der kompetenten Meister entsprechend beginnt unser wahres Leben erst dann, wenn wir nach innen gehen. Die kompetenten Meister sehen die Grundursachen des Lebens, und so lehren sie uns die Höheren Werte des Lebens.

Solange wir uns nicht über das kausale Gemüt und den kausalen Körper erheben, können wir Ursache und Wirkung in der Welt nicht erkennen. So blieb das Mysterium des Lebens oder das Rätsel des Lebens bis jetzt für uns ungelöst. Es ist nicht so einfach, sich für den wahren Sinn des Lebens zu entscheiden – dafür muß man einen Wunsch im Leben entwickeln, der so stark ist, daß er alles andere überwiegt. Wenn wir einmal den eigentlichen Sinn des Lebens erkannt haben, können wir mehr und mehr begreifen. Ihr alle wißt, daß wir vom selben Wesen wie Gott sind – der Mensch ist Gott am nächsten – und um zu Ihm zurückzugehen, müssen wir uns genau an das halten, was in den heiligen Schriften geschrieben steht.

Ihr wißt, es gibt heute zahllose Glaubensrichtungen, Religionen, Gruppen und Gemeinschaften – doch sie alle weichen von der ursprünglichen Lehre ab. Wie kann man die Wahrheit finden, wenn man zu solchen Menschen geht? Niemals hat ein kompetenter Meister uns geraten, dies zu tun. Die Lehre war immer ein und dieselbe und wurde von allen kompetenten Meistern der Welt in einer Meinung in den Schriften niedergelegt, gleichgültig zu welcher Zeit sie kamen und ob sie im Osten oder Westen lebten. Diese eine Meinung findet sich in allen heiligen Schriften. Die Meister betonen, daß die Erfahrung der kompetenten Meister auch zu unserer Erfahrung werden muß, und darüber werden wir heute sehr wichtige Dinge erfahren. Wenn wir uns das einprägen und es beachten, können wir unser ganzes Leben lang niemals mehr fehlgeleitet werden  –  wir werden niemals mehr getäuscht werden können in der Welt. Über zwei Dinge muß man daher unbedingt Bescheid wissen: Zum einen darüber, was Meditation wirklich ist, und zum anderen, wer der Meister ist. Denn heutzutage wird zwar überall über den Sinn des Lebens gesprochen – doch wann wird der Mensch schließlich doch fehlgeleitet? Einmal, wenn er versucht zu meditieren, und zum anderen, wenn er einen Meister wählt! Die meisten Menschen werden in diesen beiden Punkten mißgeleitet, denn sie wissen weder, was Meditation ist, noch wie man wirklich meditiert. Der zweite Punkt ist, daß sie nicht wissen, wer der Meister ist. Wenn irgend jemand sagt: „Ich bin der Meister!“, dann sollte man bedenken, daß in den heiligen Schriften steht, daß die, die sich selbst als Meister bezeichnen, niemals Meister sein können. Weiter wird dort gesagt, daß es nicht einen unter Millionen, vielleicht einen unter einer Milliarde Menschen gibt. Als Christus, Guru Nanak, Kabir, Guru Gobind Singh und alle anderen kompetenten Meister in die Welt kamen – wie viele gab es da zur gleichen Zeit mit ihnen? Meister gab es immer nur sehr wenige – vielleicht einen oder zwei, doch nicht mehr. Aber es gab gleichzeitig immer hunderttausende solcher (sogenannter) „Meister“, wie es sie auch heute gibt. So haben die kompetenten Meister jener Zeit übereinstimmend größten Nachdruck auf die Erfahrung gelegt, die wir erhalten müssen. Denn sie sind alle denselben Weg gegangen. Sie sind alle eins. Alle positiven Kräfte sind eins. Einmal kam diese Kraft in der Form von Jesus Christus, ein anderes Mal in der Form von Guru Nanak oder als Kabir, wieder ein anderes Mal als Ravidas und schließlich als Sant Kirpal Singh. Sie sind alle eins. Ihr könnt es in den heiligen Schriften nachlesen – ihre Erfahrungen sind dort beschrieben. Die Religionszugehörigkeit, äußere Formen und Zeremonien, Glaubensbekenntnis und Nationalität, all das spielt in der Spiritualität keine Rolle. Spiritualität heißt einfach, daß wir etwas zu lernen haben. Es ist eine Wissenschaft, die so klar ist, wie zwei und zwei vier ergibt. Genauso, wie man in Schulen und Universitäten eine bestimmte Disziplin studiert, ist auch das ein ganz bestimmtes Fachgebiet – es ist die göttliche Wissenschaft der Seele. So sind wir also in verschiedene Geistesschulen hineingeboren, um genau diese Disziplin zu lernen. Heute wollen wir versuchen, den beiden wichtigsten Themen – „Was ist Meditation?“ und „Wer ist der Meister?“ – auf den Grund zu gehen.

Der Sitz der Seele im Körper befindet sich zwischen und hinter den Augenbrauen. Von hier aus zieht sie sich beim Tod aus dem Körper zurück. Nur ein wenig darunter liegt das Gemüt und noch ein wenig tiefer der Intellekt. Zwischen der Seele und dem Gemüt aber befindet sich ein „eisernes Tor“, das den unteren Teil des Körpers vom oberen Teil des Körpers trennt. Der obere Teil ist der wahre Tempel Gottes und darunter liegt der Bereich der drei Welten, in denen wir leben (physische, astrale und kausale). Götter und Göttinnen leben dort, und mit Hilfe der verschiedenen Methoden, die in den unteren Teil des Körpers führen, können wir in diesen Bereich kommen, aber nicht darüber hinaus. Doch die Meister sagen uns: „Dort, wo alle Philosophien der Welt enden, beginnt die wahre Religion!“ Dies richtig zu verstehen ist nicht schwer – denn (aus eigener Kraft) kann man sich nicht vom Körperbewußtsein zurückziehen. Es mag euch zwar (zu einem gewissen Grad) gelingen, euch über das Körperbewußtsein zu erheben, aber nicht, euch völlig vom Körper zurückzuziehen. Was geschieht dann? Ihr seht, daß heute über-all in der Welt die Menschen meditieren. Doch wo meditieren sie und wie meditieren sie – das ist die Frage! Sie haben sich nicht vom Körper zurückgezogen, doch sie meditieren. Und beim Meditieren ist ihr Gemüt und ihr Intellekt aktiv. Eine wahre Erfahrung hingegen ist dieselbe Erfahrung wie beim Tod. Doch diese Erfahrung ist nur dann möglich, wenn man fähig ist, sich vom Körperbewußtsein zurückzuziehen. Das aber können wir nicht, solange dieses „eiserne Tor“ nicht geöffnet ist, das den unteren Teil des Körpers vom oberen Teil – der als wahrer Tempel Gottes bezeichnet wird – trennt. Man mag sein Bestes versuchen – und manche Menschen strengen sich sehr an, doch sie können sich nicht über den Körper erheben. Man mag noch so viele Härten auf sich nehmen, doch man kann den Körper nicht verlassen. Warum? Weil dieses „eiserne Tor“ nur durch die Hilfe der Meisterkraft geöffnet werden kann. Um es noch klarer auszudrücken: Die Leute meditieren und sie sehen auch Licht und sind darüber glücklich, doch das ist keine praktische Erfahrung – es ist keine positive Erfahrung. Dem Menschen stehen sowohl die Wege der negativen Kraft offen, als auch der Weg der positiven Kraft. Wenn man meditiert, ohne durch das Dritte Auge hindurchzugehen, ohne dieselben Erfahrungen zu erhalten wie beim Tod, dann wird man vom Gemüt überwältigt und dieses führt die Seele in die Chakras und die Astralebene. Dort kann man Lichterfahrungen machen, doch wenn ihr einmal in die Ebene dieses Lichts eingedrungen seid, findet ihr nicht mehr heraus. Das Licht dort ist so anziehend, selbst wenn man daraus entkommen möchte, kann man es nicht mehr. Und wozu führt das? Rishis und Munis verbrachten ihr ganzes Leben mit dieser Art von Meditation, sie magerten ab bis zum Skelett und konnten dennoch nicht mehr aus diesem Bereich entkommen.

Wohin werden also diese Menschen gehen, deren Gemüt und Intellekt bei der Meditation aktiv sind? Sie werden dorthin gehen, wohin ihr Gemüt sie führt. Ihr Gemüt ist aktiv, wenn sie meditieren, und es bringt sie durch seine vielen Fangarme wohin es will. Wenn man versucht, sich gewaltsam auf bestimmte Punkte zu konzentrieren, dann kann man das als Hatha Yoga bezeichnen. Wenn Menschen unter Anleitung sogenannter „Meister“ meditieren, erhalten sie dieselbe Erfahrung und gehen denselben Weg wie die, die es aus eigener Kraft versuchen und sich gewaltsam konzentrieren. Es gibt viele Wege, die von den verschiedenen sogenannten „Meistern“ oder von denen, die verschiedene Yogaarten beherrschen, gelehrt werden. Ausgenommen das Licht- und Tonprinzip, das der Weg zurück zu Gott ist, sind das alles selbstgeschaffene Systeme, die nichts mit der Wahrheit, mit der Spiritualität zu tun haben. Und die Erfahrungen, die diese sogenannten „Meister“ geben, sind für jeden anders. Wer in irgendein Chakra ging, der berichtete über dieses eine Chakra, wer in ein anderes ging, berichtete über dessen Schönheit, und so ergaben sich die Unterschiede in ihren Erfahrungen in der Astralwelt. Im Gegensatz dazu ist die Erfahrung, die die kompetenten Meister geben, immer ein und dieselbe, sie ist immer die gleiche. Um in den Körper hineinzugehen, gibt es also sehr viele verschiedene Wege, doch es gibt nur einen Weg, sich vom Körperbewußtsein zurückzuziehen. Diese Lehre vermittelt uns also die Höheren Werte des Lebens, so wie sie von allen kompetenten Meistern gelehrt und praktiziert wurde, und das ist es, was wir brauchen! Wir werden später noch genauer darauf zurückkommen.

Eines sollten wir niemals vergessen und uns in unserem täglichen Leben immer daran erinnern: Die Erfahrungen, die uns mit dem Gemüt in die Astralebene führen, sind überaus anziehend. Doch es sind Illusionen. Dort kann es Licht im Übermaß geben, aber es ist wie eine Falle. Ihr könnt hineingehen, das Licht ist außerordentlich stark, und wenn die Seele in dieses Licht eintaucht, dann kann sie sich nicht mehr daraus befreien. Das Licht ohne Tonstrom führt nicht weiter. Ihr seid dort in einem hilflosen Zustand. Die diesen Weg gehen, werden immer wieder aufs neue von der negativen Kraft gefangengenommen, sie können sich nicht von ihr befreien, und zuletzt verlieren sie ihr Leben. Und zwar nicht nur für diese Geburt – sie müssen einen sehr langen Weg gehen, bis sie schließlich die Hilfe eines kompetenten Meisters erhalten –, und es ist ein sehr gutes Schicksal, wenn sie einem solchen Meister begegnen.

Es gibt also für jemanden, der sich auf solche Dinge eingelassen hat und der auf diese Art meditiert, keinen Ausweg – er kann von selbst dort nicht mehr heraus. Wo wird er schließlich hinkommen? In den Machtbereich der Götter und Göttinnen, in den Machtbereich der negativen Kraft. Man kann in die Hölle oder in den Himmel kommen. Das ist jedoch nicht jener Himmel, der unsere Heimat ist. Der Himmel, der hier gemeint ist, ist schlimmer als die Hölle. Diese Bereiche von Himmel und Hölle befinden sich auf der ersten Ebene. Wer sich ein gutes Karma geschaffen hat, kommt in den Himmel. Auch Avatare leben in diesem Himmel und genießen dort ihr Leben auf der Ebene der Sinne. Denn Götter, Göttinnen und Avatare konnten sich nicht vom Gemüt befreien. Sie haben alle Schwächen, die auch der Mensch hat. Diese Avatare, deren Namen hier in der Welt sehr bekannt sind, waren einmal im Himmel und dann wieder in der Hölle. Das war das Ergebnis ihrer Meditation – das war die Rückwirkung der Karmas und der Wünsche, die sie geschaffen hatten. Und was wird das Schicksal eines Menschen sein, der über diese Avatare meditiert? Kabir sagt über sie: „So wie man das Wasser nicht sieht, wenn darauf Wasserlinsen wachsen, so können sie das Wasser des Lebens nicht sehen.“

Wer, glaubt ihr, wird sich derer annehmen, die auf der Ebene des Gemüts und des Intellekts meditieren – die positive oder die negative Kraft? Das müßt ihr ganz genau verstehen! Sie meditieren für die negative Kraft, und sie werden von der negativen Kraft gefangen werden. Sie arbeiten als Instrumente der negativen Kraft. Sie werden in der Sphäre der negativen Kraft verbleiben, und es gibt keine Möglichkeit, sie dort herauszuholen. Wenn sie einmal ihren Weg gewählt haben, ist es sehr schwer für sie, wieder herauszukommen. Sie führen ein menschenunwürdiges Leben. Normalerweise ist der Mensch wie ein unbeschriebenes Blatt, und alles kann darauf geschrieben werden. Doch für jemanden, der sich auf diese Dinge eingelassen hat, gibt es wenig Hoffnung. Ihm kann nur durch die Gnade eines kompetenten Meisters geholfen werden, der ihn über das Körperbewußtsein erhebt und ihm eine neue positive Erfahrung gibt. Er muß dann die alten (negativen) Erfahrungen völlig vergessen – nur dann besteht eine Chance.

Schwarze Magie, geistiges Heilen und Wunder aller Art sind die Begleiterscheinungen dieser Art von Meditation. Man kann sich damit viele Wünsche erfüllen oder anderen helfen, sich ihre Wünsche zu erfüllen. Solche Leute werden zu Erfüllungsgehilfen für die Wünsche anderer, und so wird man (in diesem Netz) gefangen. Wenn jemand beginnt, als der Handelnde zu wirken und Wunder zu versprechen, gibt es keine Hoffnung für ihn. Was ich sage, ist wahr – bitte vergeßt es niemals! Hunderttausende von Menschen werden durch diese negativen Kräfte fehlgeleitet, und sie zerstören dadurch ihre ganze Familie. Wenn ihr über diese Kräfte meditiert, „verschonen“ sie euch, doch wenn ihr es nicht tut, wenn ihr ihren Anordnungen nicht gehorcht, werden sie Probleme in eurem Haus schaffen. Morde, Unfälle und Selbstmorde, alle weltlichen Probleme werden durch diese Antikräfte hervorgerufen, die sich über-all in der Atmosphäre befinden. Was Kabir darüber geschrieben hat, geht weit über unsere Vorstellung hinaus. All die Negativität, die in der Welt herrscht, ist auf diese Kräfte zurückzuführen, auf Riddhis und Siddhis, Wunderkräfte und alle diese Antikräfte, die in der Welt Tag für Tag stärker werden. Sie werden sehr beeindruckende Zeichen ihrer Macht zeigen, und sie haben die Macht, den Menschen jederzeit und überall zu täuschen. Doch ich sage euch, es gibt auch einen ganz klaren Weg, um diese Kräfte zu überwinden. Nicht nur ihr selbst könnt sie überwinden – ihr könnt auch vielen anderen helfen, diese Probleme zu lösen. Es gibt hunderttausende von negativen Kräften, aber es sind nur wenige positive Kräfte, die sich ihnen entgegenstellen.

Heute sage ich euch also, was überall vor sich geht und wie wir uns von den Auswirkungen befreien können. Ihr solltet ein klares Bild davon haben, was in der Welt geschieht und was gut und was schlecht für euch ist. Wenn jemand zu euch sagt: „Hier ist der Meister – kommt mit, er ist ein großer Meister, er ist Gott selbst!“, welchen Beweis habt ihr, daß er wirklich ein Meister, daß er Gott ist? Ihr müßt einen Beweis dafür erhalten! Wenn ihr also solchen Aussagen nicht traut, solltet ihr eure heiligen Schriften zu Rate ziehen. Und was sagen sie? Ein kompetenter Meister wird euch eine Erfahrung ganz anderer Art geben. Zuerst wird er euch vom Körperbewußtsein zurückziehen und euch durch das Dritte Auge bringen. Dieser Weg führt durch die Dunkelheit, es ist ein steiler und sehr schmaler Weg, er führt euch nach innen und dann weitet er sich. Auf diesem Weg kommt man wieder zurück (zu Gott). Wenn ihr die Initiation wollt, könnt ihr überall in der Welt hingehen (und versuchen, ob ihr sie erhalten könnt), aber was ist das Kriterium, um zu prüfen (ob man dort eine wahre Erfahrung erhalten kann)? Ihr seid bereits hier; hier ist der Sitz der Seele, von hier zieht man sich über das Körperbewußtsein zurück. Bittet also jenen „Meister“, daß er euch von hier aus durch das Dritte Auge und durch die Dunkelheit zurückzieht und euch dieses Tor, den Himmel im Inneren zeigt! Mag Er euch nach innen bringen …

Ich spreche heute ganz offen von diesen Dingen, denn in diesem Punkt werden die Menschen in die Irre geführt. Die Menschen kennen die Theorie, sie wissen viel, doch wenn sie an diese Stelle (ans Dritte Auge) kommen, werden sie dort (von den sogenannten „Meistern“) mißgeleitet. Jeder sagt: „Unser Meister ist der Größte!“, doch wer ist wirklich der Meister? Die strahlende Form des Meisters im Innern ist unser Meister, und sie ist in unserem Körper zu finden. Das ist das wichtigste Kriterium, das Meister euch gegeben hat, um die Dinge zu prüfen.

Wenn man jedoch die anderen Yogaarten betreibt und wenn die Schlangenkraft (Kundalini) vom unteren Ende des Rückgrats her aufsteigt und dabei alle Chakras durchquert und sich hier oben (im Scheitelchakra) öffnet, ist das eine tödliche Falle für den Menschen. Wir haben viele Menschen kennengelernt, die unter diesem Problem litten und keinen Ausweg fanden. Als ich letztes Mal hier war, hat mich jemand gefragt: „Bist du der Meister?“ Ich sagte: „Nein!“ – „Wer bist du dann?“ fragte er, und ich antwortete ihm: „Ich führe die Arbeit meines Meisters aus! Was möchtest du von mir hören? Ich bin der gekaufte Sklave meines Meisters. Ich tue meine Pflicht. Welche Pflicht Er mir auch übertragen hat – diese Pflicht führe ich aus!“ Und dieser Mann hatte genau dieses Problem (das ich vorher beschrieben habe). Er war von jemandem initiiert worden, und dann begann sein Körper innerlich zu brennen. Er war sehr empfänglich, und gerade weil er so empfänglich war (aber auf die falsche Art meditierte), brachte ihn das in viele Schwierigkeiten, die er vier Jahre lang nicht in den Griff bekommen konnte. Tag und Nacht war er ruhelos, es war ein fürchterliches Leben für ihn. Ich fragte ihn, was mit ihm passiert sei, und er sagte: „Wegen dieser Schwierigkeiten ging ich viele Male zu meinem Meister. Jedes Mal gab er mir wieder die Initiation, doch mit jedem Mal wurden diese Probleme immer schlimmer. Doch als ich heute hier im Satsang saß, war auf einmal alles vorbei, und ich fühle mich sehr frisch, und ich empfinde keine Spur eines Problems mehr.“ – Das ist die Hilfe der Meisterkraft. Die Meisterkraft konnte ihn von seinem Problem befreien, das wäre ihm aus eigener Kraft niemals möglich gewesen. Selbst wenn er sein ganzes Leben lang bis zu seinem Tod sein Bestes versucht hätte, hätte ihn diese Kraft nicht mehr losgelassen.

Es ist sehr einfach, kopfüber in eine solche Meditation hineinzuspringen, doch es hat schlimme Folgen. Das Ergebnis dieser Meditation ist nur, daß ihr der negativen Kraft in die Falle geht, ihr werdet dann gefangen und niemals mehr freigelassen. Ihr werdet dort für immer festgehalten. Wenn in den heiligen Schriften steht, daß die Rishis und Munis zum Skelett abgemagert waren und das Rätsel des Lebens dennoch nicht lösen konnten – wo sind sie dann schließlich hingekommen? Wo sind all jene hingegangen, die das Mysterium des Todes nicht lösen konnten? Sind sie zur Gotteskraft gegangen? Sie hatten das Mysterium des Todes nicht lösen können – wo also sind sie hingegangen? In dem Bereich, in dem sie meditierten, wurden sie jedes Mal von neuem im Netz der Seelenwanderung gefangen, und es gibt keine Hoffnung für sie. Sie konnten das Gemüt nicht kontrollieren, ganz zu schweigen von den Leidenschaften. Das Gemüt wird nur noch aktiver, wenn man diese Yogaarten praktiziert. Deshalb habe ich euch gesagt, daß die, die auf diese Weise meditieren, sehr viel reden, aber sie setzen diese Dinge nicht in die Praxis um. Die zu viel reden sind von innen her leer. Sie wurden von der negativen Kraft gefangengenommen. Wenn ihr also zu solchen Leuten geht, werden sie euch vieles erzählen, doch sie werden euch dort festhalten, wo sie selbst sind. Sie sind Gefangene und können sich von dieser Kraft nicht befreien. Denn wenn diese Kraft einmal begonnen hat, sie für sich arbeiten zu lassen, wird sie sie nicht mehr loslassen. Ihr könnt die Probleme also nicht durch euer Gemüt lösen, denn das Gemüt selbst ist das Problem, und es wird mehr und mehr Probleme schaffen. Ich meine damit die, die auf der Ebene des Gemüts meditieren. Die Ebene der Seele erreicht man nur, wenn man sich vom Körperbewußtsein zurückzieht und dieses Tor geöffnet wird – dann erfahrt ihr die (positive) Wirkung der Seele. Ihr werdet euren Körper vergessen, euer Gemüt wird zur Ruhe kommen, euer Intellekt wird still, und ihr werdet nicht wissen, was im Körper unten vor sich geht. Das ist die positive Erfahrung. Die Meisterkraft wird eure Aufmerksamkeit zurückziehen – so, als ob man ein Haar aus der Butter zieht, so leicht werdet ihr vom Körperbewußtsein zurückgezogen.

Die Lehre der kompetenten Meister ist sehr einfach, leicht zu verstehen und leicht zu erfassen. Man kann ganz leicht etwas erhalten, und es ist auch sehr einfach, (durch diese Lehre) alle weltlichen Probleme zu bewältigen. Mit dem Wort des Meisters könnt ihr alle Hindernisse überwinden und wieder zurückgehen. Die negative Kraft hat keine Macht mehr, und die Angst fällt von der Seele ab. Der Weg zurück zu Gott ist voller Schwingung, Liebe und Harmonie, denn auf diesem Pfad ist die Einheit. Es gibt keinen zweiten Weg. Mit jedem Schritt erhaltet ihr von innen neues Leben, ihr erhaltet mehr und mehr Schwingung von innen und auch in weltlicher Hinsicht erhält eure Seele Stärke. Dann ist man fähig, seine Schwächen zu überwinden und hat keine Angst mehr vor den Auswirkungen der Welt.

Wenn der Mensch von der Meisterkraft initiiert wird, erhält er nichts Neues – es ist alles bereits im Menschen. Der Meister erweckt nur diese Kraft in uns und die negative Kraft kann sich nicht nähern. Wenn sie dennoch versuchen würde zu bleiben, würde sie zu brennen beginnen. Der Mensch ist Gott am nächsten. Die Götter und Göttinnen, die Avatare und alle anderen negativen Kräfte sind die Diener dieses heiligen Körpers. Doch wir sind zu Sklaven der Sinne und der damit verbundenen Negativität geworden. So gibt der Mensch durch seine Sinne direkt oder indirekt der negativen Kraft Nahrung und wird Tag für Tag auf übelste Weise fehlgeleitet. Das Schicksal des Menschen ist so, als würde er sich mit einem Messer die eigene Kehle durchschneiden.

Zur Selbsterkenntnis braucht ihr auf nur wenige Sätze aus der Lehre von Christus vertrauen: „Ihr könnt das Königreich Gottes nicht betreten, es sei denn, ihr werdet von neuem geboren!“ und „Wenn ihr die zehn Tore dieses Tempels schließt, könnt ihr das himmlische Licht im Inneren sehen!“ Mit all diesen Yogaarten wird man jedoch weder von neuem geboren, noch ist man fähig, die zehn Tore dieses Tempels zu schließen. Versucht also zu verstehen – es ist sehr leicht zu verstehen. Die Lehren aller Meister sagen ein und dasselbe aus. Ihr braucht nur die Hilfe von jemandem, der fähig ist, die zehn Tore dieses Tempels zu schließen. Das heißt ihr werdet vom Sitz der Seele aus vom Körper zurückgezogen, ihr werdet zum Sitz der Seele zurückgebracht, und die fünf Sinnesorgane hören auf zu wirken. Augen, Ohren, Nase, Tastsinn usw. – das sind die fünf Sinne, durch die die Seele (über die Aufmerksamkeit) nach außen wirkt. Entsprechend wirkt sie auch nach innen und es entstehen Gedanken. Gedanken sind sehr mächtig. Wenn ihr euch von außen zurückzieht, beginnt diese Wirkung im Innern, sie hat große Kraft, ihr könnt euch dem nicht entziehen. Die Meisterkraft hilft euch in beiden Fällen – außen und innen. Im Inneren erhebt sie euch über die Gedanken und bringt euch dorthin, von wo aus ihr in den Körper hinuntergegangen seid, an den Sitz der Seele. Was für ein Unterschied! Und von dort zieht Er euch nach oben zurück – das ist der große Unterschied (zu allen Yogaarten)! Versteht ihr es jetzt?

Wenn ihr dieses Geheimnis verstanden habt, gibt es kein Problem mehr. Nehmt zum Beispiel nur diese eine Aussage: „Wir sind nun an der Reihe, Gott zu begegnen.“ – Sie ist für jeden von Bedeutung. Es ist unumgänglich. Wenn ihr nicht jetzt (das Rätsel des Todes) löst, wann wollt ihr es dann tun? Alle Meister sagen, daß alles andere Nebensächlichkeiten sind. Noch heute solltet ihr es tun! Zögert es nicht hinaus! Es ist eure Aufgabe, doch bisher habt ihr sie vernachlässigt, ihr habt ihr keine Aufmerksamkeit geschenkt und wart sehr nachlässig und träge. Ihr gehorcht der Anweisung eures Vaters nicht, und das, was ihr tun solltet, ist immer noch ungetan. Wer wird diese Arbeit tun? Niemand kann sie für euch tun – ihr müßt euch selbst helfen!

Auszug einer Bandabschrift vom 18.10.1989


Fernsehinterview mit Sant Kirpal Singh
Positive Kraft – negative Kraft

Reporter: Meister, wir möchten Sie fragen, ob Sie mit der Meinung von Papst Paul übereinstimmen?

Meister: Was ist seine Meinung?

Reporter: Daß der Teufel die Ursache allen Übels und aller Schlechtigkeiten in dieser Welt ist.

Meister: Die Wahrheit ist und bleibt, daß Gott das Universum erschuf. Es gibt zwei Aspekte: Eine nach außen führende (Kraft) und eine, die zurückführt. Für die nach außen gehende Kraft gibt es die Bezeichnung „Brahm“. Sie ist die Ursache aller Ausdrucksformen im Universum; sie wird negative Kraft genannt. Die andere Kraft ist die positive Kraft, sie bringt die Seelen zurück zu Gott.

Manche nennen die nach außen gehende Kraft Satan oder Teufel. Die Rishis nennen sie „Brahm“. Beide Kräfte wurden von Gott geschaffen. Wie bei der Elektrizität, durch die einerseits Hitze erzeugt, andererseits auch Wasser zu Eis gefroren werden kann, sind es zwei Ausdrucksformen einer Kraft: Eine führt ins Äußere, die andere führt zurück (zum Ursprung). Gäbe es keine nach außen führende Brahm-Kraft, wäre die Welt nicht entstanden. Die Brahm-Kraft wirkt nach dem Gesetz: „Wie du säst, so wirst du ernten.“ Diese Kraft ist sehr gerecht. Das Wirken der Verkörperungen der Brahm-Kraft zu erklären ist nicht einfach. Wenn die Verkörperungen dieser Kraft in die Welt kommen, haben sie die Aufgabe, die Bösen zu bestrafen, den Guten zu helfen und die Welt in Gang zu halten. Wie gesagt, es ist nicht ganz einfach – ich werde es an einem Beispiel erklären: Es liegt in der Macht des Königs, den Oberbefehlshaber wie auch den Vizekönig zu ernennen; beide arbeiten für ihn; beide haben ihre Machtbefugnis vom König. Ihre Aufgabe aber ist verschieden. Wenn in einer Stadt Unruhen sind, übergeben die Beamten der Zivilverwaltung die Stadt dem Militär. Was macht das Militär? Es bestraft die Bösen, schießt und tötet, und Hunderte von Rechtschaffenen werden gerettet. Wenn die Ordnung wiederhergestellt ist, wird die Stadt wieder der Zivilbehörde übergeben.

(Der Reporter versucht, zur nächsten Frage überzugehen.)

Meister: Das ist noch nicht alles. Wenn Sie eine vollständige Antwort möchten, muß man noch einiges dazu erklären. Wenn Sie aber nur eine halbe Antwort möchten, liegt das bei Ihnen. Dies ist noch nicht einmal die halbe Antwort. Sehen Sie, das hört jetzt alle Welt, und wir sind verantwortlich.

Der Oberbefehlshaber weiß sehr wohl, daß ihm die Handlungsvollmacht vom König übertragen wurde; er zerstört, tötet, usw. Er sagt jedoch niemals: „Ich übermittle euch die Anweisungen des Königs.“ Es sind die Verkörperungen der positiven Kraft, die so sprechen, die Heiligen. Jene aber, die als Oberbefehlshaber kommen, sagen: „ICH befehle: ,Feuer!‘“ Es sind also verschiedene Ausdrucksweisen, obwohl beide im Herzen wissen, daß sie ihre Macht von Gott erhielten.

All dies geschieht nur, damit das „Wort“ sich zum Ausdruck bringen kann – ansonsten gäbe es die Welt nicht.

Unsere eigenen Taten und ihre Auswirkungen sind die Ursache aller Schwierigkeiten, des Tötens und all dieser Dinge. Die Verkörperungen der positiven Kraft, die Heiligen, kümmern sich um die Rückkehr der Seelen zu Gott.

Die Welt endet nicht: Sie wandelt sich – vom Kali Yuga, dem Eisernen Zeitalter, in das Goldene Zeitalter. Die negative Kraft setzt die Bestrafungen fort, um Ordnung in der Welt herzustellen und sie in Gang zu halten – nicht um sie zu entvölkern, sondern um sie beständig weitergehen zu lassen. Die positive Kraft wirkt, um die Seelen zu Gott zurückzubringen.

Das Gemüt ist die negative Kraft, die in jedem Menschen wirkt. Es ist ihr Werk, euch beständig fern von Gott – in der Welt – festzuhalten. So gibt es Bestrafungen, Töten, Kriege und manchmal Seuchen. Das ist in erster Linie ihre Aufgabe. Doch treten jetzt auch rechtschaffene Menschen hervor – das Goldene Zeitalter erhebt sich aus dem eisernen, es fällt nicht auf einmal vom Himmel. Ein Erwachen hat eingesetzt, im Osten wie im Westen. Die Menschen fangen an, sich all dieser Dinge überdrüssig zu fühlen, sie suchen einen Ausweg – man braucht jetzt einen anderen Weg (den der positiven Kraft). Die negative Kraft verschont nicht einmal ihre Verkörperungen, auch sie werden bestraft. Ich nenne euch ein Beispiel: Rama tötete den Bruder Brahmas und kam in einer anderen Inkarnation als Lord Krishna. Der getötete Bruder wurde als Räuber in einer Wildnis wiedergeboren und tötete dort Lord Krishna. Er ging zu ihm und sagte: „Ich habe ein Unrecht begangen.“ – „Nein, nein, (zu einer anderen Zeit) habe ich dich getötet“, sagte Krishna. Diese Kraft verschont nicht einmal ihre Verkörperungen, seht ihr. So gibt es den Tag des Gerichts sowohl für jeden einzelnen, als auch für die Gesamtheit, für die ganze Klasse …

Reporter: Was bedeutet die Wissenschaft der Seele?

 Meister: Die Wissenschaft der Seele ist Gottes Werk. Wir sind Seelen unter der Kontrolle der negativen Kraft. Deshalb kommen Verkörperungen der positiven Kraft, um uns zu retten und zu Gott zurückzubringen. Vor kurzem sagte ich in einem Gespräch, es sollte keine äußeren Revolutionen geben, sondern eine gegen die schlechten Eigenschaften des Gemüts – gegen das, was den Menschen von Gott fernhält. Es sollte eine spirituelle Revolution stattfinden, und sie hat bereits begonnen. Bei meiner Ansprache vorgestern sagte ich es bei einer Antwort auf diese Frage öffentlich: „Jeder erhält jetzt eine Erfahrung, zu seiner Rettung – in großer Anzahl.“

So findet überall ein Erwachen statt, im Osten wie im Westen. Das bedeutet: Das Goldene Zeitalter erhebt sich aus dem eisernen; dafür ist die Wissenschaft der Seele da.

Ihr seht, es ist eine Prüfungszeit. Vorgestern sagte ich euch, eine spirituelle Revolution findet jetzt statt und die Rechtschaffenen werden erkennen, daß es keine äußere Revolution, sondern eine gegen die schlechten Neigungen des Gemüts ist. Das Gemüt ist der Sklave der negativen Kraft. Gäbe es keine negative Kraft, gäbe es auch keine Welt.

(Sant Kirpal Singh, Mexiko-City – 11.12.1972)

 

Aus einem Brief Sant Kirpal Singhs
an einen Schüler

... Geistiges Heilen wird von den Meistern untersagt.

Es hat seine Gründe und eine tiefere Bedeutung, die die Menschen gewöhnlich nicht beachten. Sie sehen nur die scheinbaren Vorteile, die sich daraus ergeben, und bewerten es als Dienst an der leidenden Menschheit. Das unerbittliche Gesetz des Karmas ist aber entscheidend und fordert Ausgleich auf Heller und Pfennig. Der menschliche Körper hat den höchsten Rang in der Schöpfung und wurde von der Vorsehung der Seele für ihre spirituelle Vervollkommnung während dieser Inkarnation gewährt. Da die Seele im Menschen vom Wesen Gottes ist, hat sie die gleichen Eigenschaften wie Gott, da sie jedoch von Gemüt und Materie bedeckt wurde, hat sie ihr wahres Erbe verloren. In ihrem jetzigen Zustand ist die Seele tief mit dem Körper und in körperliche Verhaftungen verstrickt, die mehr oder weniger die Rückwirkungen vergangenen Karmas sind, das sie bis zur jetzigen Inkarnation angesammelt hat. Das augenblickliche Erdenleben ist eine vorübergehende Phase auf der langen Reise der Seele von den unteren Stufen der Schöpfung hinauf zur wahren Heimat des Vaters. Der physische Körper ist Materie, die Seele aber ist Geist; doch wenn die Rückwirkung des Karmas eintritt, muß der Mensch zwangsläufig Leid und Freude ertragen.

Nun fallen die Leiden, die geistiges Heilen erforderlich machen, hauptsächlich in den Bereich körperlicher Beschwerden, zu denen auch psychische Leiden wie Nervenzusammenbruch usw. gehören können. Dies sind Rückwirkungen vergangenen Karmas, die ausgeglichen und von dem Betroffenen erduldet werden müssen.

Wer auch immer solche Heilungen ausführt, lädt das Karma sich selbst auf und muß es zu einem späteren Zeitpunkt wieder abtragen. Darüber hinaus wird das wenige, das er spirituell durch Beruhigung seines Gemüts erreicht hat, durch derartige Gesten einer Wunderheilung vergeudet. Außerdem wird dieser Heilungsvorgang an schwächeren Gemütern praktiziert, die gewöhnlich ihren Gefühlen zum Opfer fallen. Was normalerweise geheilt werden kann, indem man ein wenig Schmerzen erträgt und Arznei zu sich nimmt, wird gegen spirituelle Verschwendung ausgetauscht, und die Schuld bleibt bestehen und wartet auf den Ausgleich zu einem späteren Zeitpunkt. Außerdem wird diese Art des Heilens professionell und fördert Korruption und Elend. Sie führt nicht nur zu Mißbrauch, sondern zieht noch mehr psychisches Leid und vielfaches Elend nach sich, da nun noch zusätzliche „Zinsen“ hinzukommen. Es ist ein ursächlicher Aufschub der Zahlung auf einen späteren Zeitpunkt und legt der Seele schwere Fesseln an.

Im Gegensatz dazu befürworten die Meister eine richtige Lebens- und Denkweise. Einem disziplinierten Ergebenen des Meisters wird geraten, ein reines, sauberes, enthaltsames Leben zu führen und dabei unter schützender Führung ein spirituelles Ziel zu verfolgen. Unbedingtes Einhalten der Richtlinien für die Diät und eine einfache, wahrhaftige Lebensweise führen zu Glück und Freude. Wenn dennoch durch die Abwicklung früheren Karmas ein Leiden auftritt, wird seine Härte und Dauer durch das Eingreifen der gnädigen Meisterkraft sehr gemildert – gleich einem Penny anstelle eines Pfundes oder einem Nadelstich anstatt des Galgens, und das disziplinierte Schülerkind kommt durch die Gnade des Meisters unbeschadet davon.

Das Heilen, von dem es heißt, es sei von Jesus oder anderen ausgeübt worden, war von höherer Art; denn wer in das kosmische Bewußtsein eintaucht und seine Identität verliert, wird so vergeistigt, daß sogar das Denken an einen solchen Menschen oder das Berühren seines Kleidersaumes zu heilen vermag, wie es in der Bibel heißt. Ihr dürft nicht aus eigener Kraft andere heilen. Vor allem aber ist es der Glaube, der heilt, und ernsthafte Initiierte lassen sich nicht auf solche Dinge ein, sondern streben vielmehr unaufhörlich nach ihrer spirituellen Vollkommenheit, die das höchste Ziel des irdischen Lebens ist.

Die Seele, die sehr viel höher aufsteigen muß, um mit der Überseele zu verschmelzen, wird aufgehalten, wenn sie niedrigere Zwecke verfolgt. Die Initiierten werden daher in ihrem eigenen Interesse davor gewarnt, geistiges Heilen auszuüben, da es spirituelle Verschwendung und spirituellen Bankrott zur Folge hat. Es legt der Seele starke Fesseln an, und es wird sehr schwer, die karmische Schuld zurückzuzahlen.

(Engl. Sat Sandesh Vol. 3 1970, Nr. 8)

Wunder, geistiges Heilen, übersinnliche Erscheinungen,
Wahrsagen, das Lesen in der Akasha Chronik
Und weltliche Wünsche müssen beiseite gelassen werden,
Denn sie sind sichere Hindernisse auf dem Weg.
Die ganze Energie sollte dafür eingesetzt werden,
Um im Innern voranzuschreiten.

  Sant Kirpal Singh

 


Geistiges Heilen und okkulte Kräfte

Sant Kirpal Singh

„Meister, können wir uns gegenseitig beeinflussen, wenn wir in der Gruppe meditieren? Wenn wir z.B. Gedanken der Liebe an jeden aussenden, hat das eine Auswirkung?“

Habt ihr genug, um an andere austeilen zu können? Wenn ja, dann ist es gut. Ansonsten werdet ihr bankrott gehen. Ihr habt kein Geld auf der Bank oder in der Hand und stellt Schecks aus. Wenn ihr aber Gott liebt – die Seele ist von derselben Essenz wie Gott und Er wohnt in jedem Herzen – dann ist es ganz natürlich, daß ihr Liebe für jeden habt. Wenn ihr ganz von dieser Liebe erfüllt seid, ist es nicht einmal notwendig, daß ihr eure Aufmerksamkeit auf jemanden richtet, denn allein durch die Ausstrahlung werden die anderen etwas erhalten. Wenn ihr euch aber anstrengt und auf andere Einfluß ausübt, werdet ihr euch völlig erschöpft und leer fühlen. Das ist der Grund, warum ich immer wieder sage, daß ich das Heilen nicht befürworte. Die Leute, die Heilungen durchführen, üben Einfluß auf andere aus, sie senden Liebe aus, gute Gedanken, heilende Gedanken. Sie strengen sich an und gehen auf diese Weise bankrott. Sie fühlen sich danach erschöpft und müssen den Verlust wieder einbringen.

Die höhere Form des Heilens ist immer gut. Schon dadurch, daß man nur an einen Meister denkt, kann man geheilt werden. Erinnert euch, daß im Leben Christi einmal eine Frau den Saum seiner Kleider berührte und geheilt wurde. (Er spürte es und sagte: „Wer hat mich berührt?“)

Wenn ihr genügend Geld auf eurer Bank habt, schön und gut. Was geschieht aber, wenn ihr tausend Dollar habt und Schecks für zweitausend Dollar ausstellt? Es ist eine gute Sache, für alle Sympathie zu haben. Wenn ihr Gott liebt, wird natürlich – da Gott auch in den anderen wohnt – eure Liebe auf sie übergehen. Sie werden sie durch Ausstrahlung erhalten. Ihr könnt zu Gott beten: „Oh Gott, hilf ihnen!“ Das ist etwas anderes. Wenn ihr aber nur wenig Geld oder nur ein paar Tropfen Wasser in eurem Brunnen habt, wie könnt ihr dann an andere austeilen? Versteht ihr, was ich damit sagen möchte? Es ist eine gute Sache, Sympathie, liebevolle Gedanken und Respekt für andere zu haben, aber übt keinen Einfluß auf sie aus. Gute Gedanken für alle zu haben ist in Ordnung.

Als ich zur Zeit meines Meisters die Kranken besuchte, machten einige eine Show mit diesen Menschen. „Wenn er kommt, dann werden die Kranken Linderung erhalten.“ So geschah es auch, und die Leute beklagten sich bei meinem Meister, daß ich Wunder wirken würde. Meister sagte dann: „Nein, er stellt keine Wunder zur Schau. Es ist allein die Ausstrahlung, die die Leute erhalten.“ Versteht ihr? Eine solche Ausstrahlung ist in Ordnung. Gute Gedanken für jeden zu haben ist eine gute Absicht. Betet zu Gott, Er möge allen Frieden schenken; das ist etwas anderes. Auch Guru Nanak, der als das Fleisch gewordene Wort betrachtet wird, betete: „Friede sei auf der ganzen Welt nach Deinem Willen, oh Gott.“ Er tat nichts aus eigener Kraft. „Friede sei auf der ganzen Welt nach Deinem Willen, oh Gott.“ Seid ihr aber einmal zum Handelnden geworden, werdet ihr natürlich aus eigener Kraft Einfluß ausüben. „Nach Deinem Willen, oh Gott!“ ist der beste Weg. Habt daher gute Wünsche für alle. Wir sind alle Brüder und Schwestern in Gott. Diese Kraft aber hilft durch Ausstrahlung (ohne eigenes Zutun), und ihr geht dabei nicht bankrott. Natürlich könnt ihr durch eigene Anstrengung anderen Gutes tun. Ihr werdet euch aber danach erschöpft fühlen.

Wünschenswert ist also eine höhere Form des Heilens. Durch die Ausstrahlung kann jedem geholfen werden. Wenn von euch ein Duft ausgeht, wird jeder etwas davon haben, ohne daß ihr es wollt. Ich bin also nicht dagegen, gute Wünsche für alle Menschen zu haben, aber seid nicht die Handelnden, indem ihr eine Last auf eure eigenen Schultern nehmt – bei den wenigen Tropfen „Wasser“, die ihr habt. Betet für sie, das ist in Ordnung.

„Ein Heiler sagt manchmal, daß er hinterher wieder mit neuer Kraft erfüllt wird, wenn er erschöpft ist.“

Aber erst einmal fühlen sie sich am Ende. Sie spüren erst den Mangel, dann laden sie sich wieder auf, nicht eher. Und wenn sie nicht von neuem aufgeladen werden, was dann? Die Meister haben immer durch Ausstrahlung geheilt. Jene, die an Ihn dachten, wurden geheilt. Das ist der sicherere Weg.

Einmal schrieb mir jemand aus Frankreich: „Ich höre, Sie sind nicht bei guter Gesundheit. Ich werde Sie von hier aus heilen.“ Ich antwortete ihm, dazu wäre er nicht in der Lage und erklärte ihm weshalb: „Ein schwächerer Mensch kann von ihnen beeinflußt werden, nicht jedoch jemand, der stärker ist.“ Ihr könnt auf niemanden Einfluß ausüben, der stärker ist als ihr. Versteht ihr? Wie könnt ihr einen Menschen beeinflussen, der stärker ist als ihr? Ihr könnt nur einen Schwächeren beeinflussen. Ihr könnt andere heilen, die einen schwächeren Willen haben als ihr selbst. Ich schrieb ihm also, daß er nicht dazu imstande sein würde. Er versuchte es mit all seiner Kraft, konnte aber nichts bewirken. Ihr könnt sagen: „Oh Meister, oh Gott, hilf!“ Das ist etwas anderes.

In meinem Leben geschah es einmal, daß einige Menschen – ich brauche nicht zu sagen wer – gewissen Leuten jeden Preis bezahlten, damit sie sich um Mitternacht an einigen Plätzen im Freien konzentrierten, um mir (mit Gedankenkraft) Schaden zuzufügen. So etwas ist möglich, mir jedoch konnten sie trotz aller Bemühungen keinen Schaden zufügen.

Eines Tages reiste ich mit dem Zug, und ein Mann stieg ein, der die Gedanken anderer Menschen lesen konnte. Er las sie bei einem, zweien, dreien, vieren. Ich saß ebenfalls in diesem Zugabteil. Er sagte zu mir, ich sollte an etwas denken und er würde es ablesen. „Das wird Ihnen nicht gelingen“, erklärte ich ihm. (Dies geschah lange, bevor ich meinen Meister traf.) Er aber bestand darauf und auch die anderen wollten unbedingt, daß ich mir etwas denken sollte, damit er es lesen könne. „Nun gut“, stimmte ich zu. Er versuchte es, schaffte es aber nicht. Er gestand: „Ich habe heute versagt.“

So kann also ein stärkerer Mensch andere beeinflussen, der Schwächere ist dazu nicht in der Lage. Auf den Schwächeren könnt ihr einwirken. Trotzdem – das ist keine Spiritualität. Diese übernatürlichen Kräfte entstehen durch Konzentration; wenn ihr euch aber auf sie einlaßt, dann wird die höhere Kraft in euch aufhören zu wirken. Diese übernatürlichen Kräfte haben nichts mit Spiritualität zu tun. Spiritualität befaßt sich weder mit Spiritismus noch Spiritualismus, sie hat nichts mit Hypnose und Mesmerismus zu tun. Sie ist einzig und allein eine Sache der Selbstanalyse, des Sich-Erhebens über das Körperbewußtsein, um sich selbst und Gott zu erkennen.

Auf dem Weg können viele Kräfte in Erscheinung treten; sich aber auf sie einzulassen ist ein schändliches Verbrechen. Ihr werdet euren Fortschritt verzögern. Außerdem ist das karmische Gesetz unerbittlich. Ihr werdet eines Tages dafür leiden müssen. Die Menschen befassen sich mit allen möglichen Dingen. Es gab einen Mann in London, der Geister rufen konnte, die dann redeten. Fünf Pfund kostete eine Eintrittskarte. Jemand sagte: „Laßt uns hingehen und zusehen.“ So gingen wir also hin. Alle Lichter wurden ausgeschaltet. Es war so gegen neun oder zehn Uhr am Abend, und es war stockdunkel. Er setzte alle Anstrengung ein, doch nichts gelang ihm. Er seufzte einmal, dann seufzte er wieder, und ungefähr eine halbe Stunde lang geschah nichts. Schließlich sagte er: „Die Atmosphäre ist heute nicht gut. Es tut mir leid, es ist heute nicht möglich.“ Er verlangte kein Geld von uns. Das gibt es (mit Geistern zu sprechen). Er aber wandte einen Trick an. Ich werde es euch sagen: Er selbst konnte wie ein Kind sprechen. So redete er also immer selbst, und die Leute dachten, es wäre ein Geist. Ich habe erlebt, daß es Schwarzmärkte im Äußeren gibt, in religiösen Kreisen jedoch gibt es noch mehr Schwarzmärkte. Viel Show wird gemacht.

Während meiner ersten Weltreise kam ein Magier in Chicago zu einer morgendlichen Meditationssitzung. Er war ein erstklassiger Magier aus Europa, der extra nach Amerika eingeladen worden war, um mich zum Scheitern zu bringen. Er sagte: „Sie gestatten mir doch, an einer Meditation teilzunehmen?“ – „Ja, kommen Sie nur.“ Ich erlaubte es ihm. Er saß an der Seite und bemühte sich mit all seinen Kräften, seinen Einfluß auf mich auszuüben. Nichts geschah; er hingegen fiel um, fiel der Länge nach hin und war bewußtlos. Sie mußten ihn in meinen Armen wiederbeleben, brachten ihn zu Bett und sprachen ihm Trost zu. „Ach, beruhige dich, es wird dir bald wieder besser gehen. Mach dir keine Sorgen.“ Die Rückwirkung war sofort eingetreten.

Wenn eine Welle herankommt und auf eine Steinmauer trifft, dann wird die Welle zurückgeschlagen. Trifft sie aber auf Sand, so wird die Welle ihn durchdringen. Infolge der Rückwirkung war er deshalb bewußtlos zu Boden gestürzt. Er war ein Anhänger einer anderen Gruppe, die ihn speziell für diesen Zweck engagiert hatte. Ich behandelte ihn und gab ihm Medizin, so daß es ihm bald wieder gut ging. Dann erklärte er vor der versammelten Menge: „Zum ersten Mal habe ich die Liebe Christi erlebt. Was man mir erzählt hatte, war alles falsch.“ Inzwischen ist er verstorben. Seine Frau schickt mir jetzt noch Briefe.

Spirituelle Menschen verlangen nicht nach solchen Dingen. Was bringt es euch, wenn ihr die Gedanken anderer lesen und sie beeinflussen könnt? Was ist das schon – man bekommt Kontakte zu Seelen, die den Körper verlassen haben und sich auf den unteren Ebenen befinden, doch kaum zu höheren Seelen. Dies ist bloß eine Seite des Spiels. Wenn ihr auf diese Weise eure Aufmerksamkeit bindet, wird euer weiterer Fortschritt verzögert werden. All diesen Dingen bin ich in Indien und auch außerhalb Indiens begegnet. Mir konnte jedoch nichts geschehen, denn mein Meister war bei mir. Jene Kraft – die Got-teskraft – ist immer bei mir. Das ist Seine Gnade; wenn Er mich verläßt, dann bin ich nichts. Ich bin nicht der Handelnde. Das ist der sicherste Weg.

So geschah es einmal, daß ein homöopathischer Arzt mit seiner Frau nach Indien kam. Er wurde von unserem Meister (Baba Sawan Singh) initiiert. Die Leute versuchten, seine Frau zu überreden, sich auch initiieren zu lassen. Sie jedoch wollte nicht. Sie war Anhängerin eines Gurus in Europa. Ihr Mann bat mich, doch freundlicherweise etwas zu tun, damit auch seine Frau sich initiieren lassen würde. Mein Meister trug mir auf, vier oder fünf Tage Urlaub zu nehmen, um ihr Zeit widmen zu können. Ich bat ihren Mann, beim Gespräch mit ihr dabei zu sein. Die allererste Frage, die sie mir stellte, war: „Was hat Sie zum Meister gebracht?“ So erklärte ich ihr ungefähr zehn Minuten lang, weshalb ich zu Ihm gekommen war. „Oh, das ist genau das, was ich möchte“, war ihre Antwort. Dann fragte sie: „Wie kommt es, daß mir Euer Meister nicht zusagt?“ Dies war eine sehr direkte Frage. „Mein früherer Guru pflegte mich zu beeinflussen; ich stand unter seinem Einfluß“, fuhr sie fort. Ich sagte ihr, sie solle mich zwei oder drei Minuten lang ansehen, und fragte sie dann, ob sie in der Lage wäre, etwas anderes zu sagen, als ich von ihr hören wollte. „Nein“, sagte sie. „Das ist die Erklärung dafür – ihr Guru hat sie beeinflußt. Sie können nichts anderes sagen als das, was er wollte. Mein Meister beeinflußt niemanden. Er überläßt es ihrem freien Willen und Wohlgefallen, selbst zu entscheiden.“ Sie konnte kein Englisch, sie sprach Französisch. „Nun gut, wenn sie der Rede meines Meisters nicht folgen können, dann schauen sie Ihn einfach freundlich und aufmerksam an, nichts mehr. Dann lassen sie mich wissen, wie sie Ihn finden.“ Sie war dabei, als Meister sprach, und am Abend fragte ich sie: „Nun, wie fanden sie meinen Meister?“ – „Oh, Er war sehr schön, sehr anziehend.“ Es ist allein die Ausstrahlung, die das bewirkt, ohne daß euer Wille gelenkt wird. Ich sagte zu ihr: „Mein Meister läßt jedem seinen eigenen freien Willen. Deshalb hat Er sie nicht beeinflußt.“ Wenn ich euch jetzt hypnotisierte, dann würdet ihr gehen und euch ausgebeutet und leer fühlen. Ihr mögt für ein paar Minuten etwas erhalten haben, danach aber würdet ihr bankrott sein. Und dann? Deshalb sagte ich, daß es im Äußeren Schwarzmärkte gibt, aber im Inneren noch mehr Schwarzmarkt betrieben wird.1

So ist es notwendig, die Höheren Werte des Lebens zu verstehen und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln, damit man die Aufmerksamkeit auf die Dinge richten kann, die unserem Weg und dem höchsten Ziel, der Selbst- und Gottverwirklichung, dienlich und hilfreich sind. Wir sollten Empfänglichkeit für Gott entwickeln und nicht für bestimmte psychische Kräfte, die nicht von höherer Art sind und in keiner Weise dazu dienen können, höheres Bewußtsein zu erlangen, um schließlich im Unendlichen aufzugehen.2

Der Mensch muß ein aufrichtiges, unaufhörliches Verlangen nach dem Ende aller Dinge haben, nach dem Ziel aller Ziele, und darf nicht mit der bloßen Meisterung seiner physischen und mentalen Kräfte zufrieden sein.3 Der Meister setzt uns das Ziel, völliges Einssein mit dem Herrn – dem Einen Wesen – zu erlangen. Wir können uns mit der Quelle, von der wir einst ausgegangen sind, wieder vereinen und unsere bleibende Wohnstatt in der Heimat unseres Vaters wiedergewinnen, wo jenseits des Bereichs der Zerstörung und der Unwissenheit und über allem Elend des unruhigen Meeres des Lebens Freude und Frieden herrschen.

Das Reich Gottes liegt in uns. Wir müssen den „inneren Menschen“ (den Geist oder die Seele) als Gottes Ebenbild erkennen und den physischen Körper als Tempel Gottes, in welchem sich der Herr offenbart. In diesem lebendigen Tempel müssen wir unsere Seele mit Gott in Einklang bringen und in enger Verbindung mit Ihm leben. Guru Nanak sagt uns: „Du bist als Mensch geboren worden, und das ist die günstige Gelegenheit, dich mit Gott zu verbinden. Aber leider gibst du dich mit den fruchtlosen und verwirrenden Dingen des Lebens ab. Bedenke, die Nacht (des irdischen Lebens) geht ihrem Ende zu.“4 So sollte sich der Schüler oder Gottsuchende davor hüten, bestimmte übernatürliche Kräfte, die durch verschiedene Yogapraktiken oder Konzentrationsübungen in Erscheinung treten können, als Hilfe oder gar als letztes Ziel auf dem Weg der Selbstverwirklichung und Gottverwirklichung zu betrachten. Wenn man auch durch bestimmte Yogapraktiken übermenschliche und übernatürliche Kräfte erlangen kann, sich mit diesen verborgenen Kräften tiefer befaßt und beginnt, sie zu praktizieren, wird man das wirkliche Ziel darüber vergessen. All das bringt uns nicht die Gunst Gottes ein, ohne die alles nichtig ist. So werden diese Kräfte Hindernisse auf dem Weg zur Selbst- und Gottverwirklichung. Daher ist es wichtig, über die Existenz, Wirkungsweise und Gefahren, die sie mit sich bringen, Bescheid zu wissen.5

Wir müssen lernen, Spiritualität von Spiritismus und Spiritualismus zu unterscheiden, da Spiritualität etwas ganz anderes ist. Der Spiritismus betont den Glauben an die Existenz körperloser, von der Materie getrennter Wesen, von denen die Spiritisten annehmen, daß sie die niederen Regionen als Gespenster oder böse Geister heimsuchen oder auch die unteren Astralregionen als Engel oder gute Geister. Zuzeiten sind sie auch an den persönlichen Angelegenheiten der Menschen interessiert und suchen zur Befriedigung ihrer langgehegten, aber ungestillten Wünsche, diese mittels allerlei Machenschaften zu erfüllen. Die sich mit der schwarzen Kunst befassen, behaupten, durch magische Beschwörungen Macht über sie ausüben zu können. Aber ein Schüler des Meisters braucht darüber nicht beunruhigt zu sein, da einem, der in Verbindung mit dem heiligen Wort ist, keine negative Beeinflussung etwas anhaben kann.

Der Spiritualismus geht einen Schritt weiter als der Spiritismus. Er glaubt an das Weiterbestehen der menschlichen Persönlichkeit nach dem Tode und an die Möglichkeit einer Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten. Die Vertreter des Spiritualismus halten häufig Séancen oder Sitzungen ab, um mit sogenannten Geistern Verbindung aufzunehmen. Sie gehen mit Hilfe von Medien vor, das heißt sie benutzen immer eine Art Medium, sei es eine Planchette zum Planchette-Schreiben, einen Tisch zum Tischrücken oder sogar ein menschliches Wesen, dem das Bewußtsein genommen wird, damit der gerufene Geist von seinem Körper Gebrauch machen und sich durch ihn mitteilen kann. Diese Verbindung besteht im allgemeinen lediglich zwischen der irdischen Ebene und den niedersten, untersten Astralebenen, die als Magnet-felder bekannt sind. Die Resultate einer solchen Kommunikation sind sehr begrenzt, größtenteils auch unzuverlässig und außerdem gefährlich für das Medium, das zuweilen dabei den Verstand verliert, und darunter schrecklich zu leiden hat. Die Praxis des Spiritualismus wird daher von den Meistern der Spiritualität streng verurteilt. Der Kontakt und Verkehr der Meister mit den spirituellen Regionen bis zur Wohnstatt des Herrn (Sach Khand) ist unmittelbar, und sie kommen und gehen nach ihrem Willen und Wohlgefallen, ohne irgendeine Behinderung und unabhängig von der subjektiven Vermittlung eines Mediums. Während diese Methode ganz normal, natürlich, direkt und aufbauend ist, ist das Wirken der Spiritualisten dagegen subjektiv, indirekt und nur mittelbar, ein Vorgang, der voller Gefahren und Risiken für sie selbst und das Medium ist. Der Spiritualismus trägt, abgesehen vom Wissen über das Weiterleben nach dem Tode, nur wenig zu unserer Erfahrung bei und bietet nichts, was für den Weg der Spiritualität wirklich wesentlich wäre.

Die obigen Bemerkungen lassen sich ebenfalls auf die Hypnose und den Mesmerismus anwenden. In beiden Fällen sucht ein Mensch mit stärkerer Willenskraft andere mit schwächerem Widerstandsvermögen mittels bestimmter Handbewegungen und Gesten zu beeinflussen, wobei die Aufmerksamkeit gezielt auf die betroffene Person gerichtet wird. Spiritualität dagegen ist die Wissenschaft der Seele und befaßt sich daher mit allen Aspekten der Seele: Wo sich die Seele im Körper befindet, in welcher Beziehung sie zu Körper und Gemüt steht, wie sie scheinbar auf und durch die Sinne wirkt, was ihre wahre Natur ist und wie sie von allem beschränkendem Beiwerk getrennt werden kann. Sie beschreibt die spirituelle Reise mit ihrem Reichtum an Ebenen und Unterebenen sowie die spirituellen Kräfte und Möglichkeiten und deren eigentlichen Wert. Spiritualität läßt uns wissen, was das heilige Wort ist und wie man sich mit ihm verbinden kann, sagt uns, daß das letzte Ziel die Selbstverwirklichung und Gottverwirklichung ist, das Einswerden der Seele mit der Überseele, und lehrt uns, wie man diese mit Hilfe des Surat Shabd Yogas oder des Pfads des Tonstromes erlangen kann.6

Es gibt also viele nebensächliche Fähigkeiten, die man durch den einfachen Prozeß der Selbstbeherrschung und Konzentration erwirbt, wie:

Hier muß notwendigerweise ein Wort der Warnung angebracht werden hinsichtlich der „Riddhis“ und „Siddhis“ oder der übernatürlichen Kräfte, die man im Verlaufe bestimmter Yogapraktiken oftmals erwirbt. Alle diese übernatürlichen Kräfte oder „Siddhis“ muß man unbedingt meiden, denn sie sind ausgesprochene Hindernisse auf dem Weg zu wirklichem spirituellem Fortschritt und dem Erreichen der Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis, dem großen Ziel und Zweck des Yogasystems.7

Die meisten Schüler weihen sich völlig und einzig der strikten Beachtung der „yamas“ und „niyamas“ und kommen dadurch auf dem Yogapfad, der nach Selbsterkenntnis und Gotterkenntnis strebt, kaum vorwärts; und die, die ein wenig weiterkommen, kommen doch über die Yogastellungen (asanas, mudras und bhandas) nicht hinaus und sind ständig damit beschäftigt, ihren Körper zu entwickeln und die Muskeln zu stärken, und machen dies zum einzigen Ziel ihrer Bemühungen. Sie beschränken sich somit selbst auf den Aspekt der Körperentwicklung, um dadurch Krankheit, Alter und frühem Tod zu trotzen. Dies alles sind nur Mittel zu den höheren Zielen des Yogas und sollten auch nur als solche praktiziert werden. Ziel des Yogas ist Selbsterkenntnis durch einen regelrechten Prozeß der Selbstanalyse und des Zurückziehens, was einen befähigt, sich über das Körperbewußtsein ins höhere kosmische und schließlich ins überkosmische Bewußtsein zu erheben.

Wahrer Yoga ist ein ganz natürlicher Prozeß, der nichts Gekünsteltes an sich hat. So sollte er leicht verständlich und einfach auszuüben sein. Aber durch den Mangel an richtigen Lehrern, die sowohl in der Theorie als auch in der Praxis des Yoga erfahren sind, ist es zu einer beschwerlichen und verwickelten Angelegenheit geworden; zu schwer, um verstanden zu werden und noch schwieriger auszuüben. Die Folge davon ist, daß die Suchenden die eine oder andere Yogaart irrigerweise als das letzte Ziel betrachten. Sie verzetteln ihre Kräfte in diesem Streben und geben sich mit dem Erwerb psychischer oder magischer Fähigkeiten zufrieden,8 die nicht selten dazu mißbraucht werden, um öffentlichen Beifall und Reichtum zu erlangen. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß der gewöhnliche Mensch Yoga oft mit Personen in Verbindung bringt, die auf glühenden Kohlen gehen, Glasscherben oder Metall schlucken, Schlangenköpfe und Nagetiere essen, fahrende Autos anhalten oder sich von Lastwagen überfahren und von Elefanten überrennen lassen. Huston Smith schreibt in „Die Religion des Menschen“: „Unglaubliches kann mit dem Körper vollbracht werden, falls du interessiert und willens bist, daran dein Leben zu setzen. Aber diese Dinge haben kaum etwas mit Erleuchtung zu tun. In Wirklichkeit nähren sie den Wunsch, sich zu brüsten. Ihre Beherrschung trägt zum Stolz bei und ist darum dem spirituellen Fortschritt schädlich.“9

Wer sich also der Spiritualität zuwendet – der zeitlosen, inneren Wissenschaft, die ihre eigenen unveränderlichen Gesetze und variierenden Wirkungsformen hat, deren Erkenntnisse nicht statisch sind, sondern sich entfaltet haben, so wie die Menschen von den niedrigeren zu den höheren Formen des Yogas fortgeschritten sind – wird erkennen, daß das Einswerden mit dem Höchsten Herrn kein bloßer Tagtraum oder das hypothetische Postulat einer monistischen Philosophenschule ist, sondern eine lebendige Möglichkeit, deren Verwirklichung das Ziel der menschlichen Existenz ist, und die bei richtiger Führung, der richtigen Methode und rechtem Bemühen in Reichweite aller liegt, ungeachtet des Alters, des Geschlechts, der Rasse oder des Glaubens.10

   1   aus „Light of Kirpal“ von Sant Kirpal Singh, S. 298 – 301
   2   sinngemäße Wiedergabe einer Aussage von Sant Kirpal Singh
   3   aus „Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh, S. 30
   4   aus „Jap Ji“ von Sant Kirpal Singh, S. 94 – 95
   5   sinngemäße Wiedergabe einer Aussage von Sant Kirpal Singh
   6   aus „Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh, S. 252 – 255
   7   aus „Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh, S. 72
   8   aus „Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh, S. 73
   9   aus „Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh, S. 111
10   aus „Krone des Lebens“ von Sant Kirpal Singh, S. 9


Wunder, Geistheilen, mediale Kräfte,
Weissagen, Akasha-Aufzeichnungen
und weltliche Wünsche müssen
alle beiseite gelassen werden,
denn sie sind absolut Hindernisse auf dem Weg.

Kirpal Singh


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