Meditation
«Folge dem schmalen Pfad in der Mitte»

Auszüge aus den Voträgen von Dr. Harbhajan Singh am 10.7.91 in Graz und dem 17.7.91 in Landshut
3. Auflage – Februar 1998


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„Oh Kabir,
Folge dem schmalen Pfad in der Mitte.

Das ist der einzige Weg,
Den Ozean zu überqueren.

Wenn du abweichst nach rechts oder links
Und auf einer Seite fällst,
Wirst du mit Sicherheit ertrinken!”

Kabir


Liebe Brüder und Schwestern,

es ist mir eine Ehre, Sie alle hier begrüßen zu dürfen. Das Thema des heutigen Abends ist sehr wichtig und sehr schön. Spiritualität hat wirklich nichts mit Okkultismus zu tun. Wenn Sie das Thema, das wir heute behandeln werden, verstehen, wird sich Ihr Blickwinkel mit Sicherheit ändern. Wenn Sie einmal den eigentlichen Sinn Ihres Lebens erkennen können, wie er von Christus und allen anderen kompetenten Meistern in der Welt gelehrt wurde, dann versichere ich Ihnen, daß Sie nicht mehr fehlgeleitet werden können, denn der Zweck des menschlichen Lebens steht eindeutig fest. Wir aber sind uns dessen nicht bewußt. Wenn wir einmal den falschen Weg gewählt haben anstelle des richtigen, gehen wir ein für allemal in die Irre. Deshalb müssen wir unterscheiden: Wir müssen unterscheiden zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung, zwischen dem äußeren und dem inneren Menschen, zwischen der Aufgabe, die Götter und Göttinnen, die Avatare und die negativen Kräfte haben, im Gegensatz zu der Lehre von Christus und allen kompetenten Meistern, die in die Welt kamen. Weiterhin müssen wir unterscheiden zwischen dem Körper und dem Bewohner des Körpers, und wir müssen über diese physische, die astrale und die kausale Ebene Bescheid wissen und müssen wissen, wo alle Philosophien der Welt enden, denn erst von hier aus beginnt unser Weg.

Unser Thema ist: „Was ist Meditation?” Wenn Sie es verstehen und dementsprechend leben, werden Sie ein sehr schönes Leben haben. Niemand in der Welt wird Sie verwirren oder fehlleiten können. Ob wir über Meditation reden oder den Sinn des menschlichen Lebens oder über die Entwicklung des Bewußtseins oder die Entwicklung der Seele – es gehört alles zu diesem Thema. Denn wir haben eine direkte und unabhängige Verbindung mit Gott. Um über Meditation sprechen zu können, müssen wir erst einmal viele Faktoren genau unterscheiden. Dieses Thema ist sehr umfassend, doch wenn Sie es wirklich verstehen, erhalten Sie das Geschenk des Lebens in sich selbst.

Die erste Frage, die sich erhebt, ist: Wozu soll man überhaupt meditieren? Wie meditiert man und wo meditiert man?

Die Antwort auf diese Fragen wird Sie der Wahrheit näherbringen. Manche Menschen meditieren, um sich ihre Wünsche zu erfüllen, manche, um Frieden des Gemüts zu erlangen. Manche meditieren, um übernatürliche Kräfte zu erhalten, manche, um andere zu beeinflussen. Wieder andere meditieren, um Erlösung zu erlangen. Nur wenige Menschen meditieren aus Sehnsucht und Liebe zu Gott. Rabia Basri wurde einmal gefragt:„Wie meditierst du?  Kommt zuerst Gott zu dir oder meditierst du zuerst?” Sie erwiderte: „Nein, ich beginne nicht von mir aus mit der Meditation. Zuerst kommt mein innerer Geliebter, und dann erst meditiere ich.” Und sie beschrieb die Zeichen, an denen sie erkannte, daß ihr innerer Geliebter gekommen war. Und tatsächlich: Wenn man wirklich die unbeschreibliche Schönheit des inneren Geliebten sieht, der als die Christuskraft bezeichnet wird, wird man jede andere Meditation vergessen. Es gibt tausend Arten von Meditation, die nicht mehr sind als ein Häufchen Staub und die uns nirgendwo hinbringen.

So geht es heute also darum, zu unterscheiden, damit Sie wissen, was Sie wirklich brauchen. Sie sollten wissen, wie man sein Leben vorbereitet und wie man meditieren kann. Dazu werde ich nicht über irgendeine Sekte oder einen “Ismus” sprechen, sondern ich werde die negativen Faktoren den  positiven gegenüberstellen. Ich muß klarstellen, was negative und was positive Faktoren sind. Wenn man die positiven Faktoren des Lebens kennt, kann man ganz leicht die negativen beseitigen und die höheren Werte des Lebens erreichen. Der Zweck des menschlichen Lebens besteht darin,  zu einem guten Ende zu gelangen, und deshalb muß  jeder die höheren Werte des Lebens erlangen. Nur mit den höheren Werten des Lebens, mit einem höheren  Bewußtsein kann man wirklich meditieren.  Andernfalls wird die Meditation nicht mehr bringen als Leid, sie wird nur zum Schaden sein.

Ich möchte Ihnen den ursprünglichen Weg in Erinnerung rufen, wie ihn Christus, Guru Nanak und Kabir gelehrt haben. Dabei geht es unmittelbar um Sie selbst, um Ihre ureigenste Aufgabe. Wenn Sie sie erfüllen, ist es gut, wenn  nicht  – nun, niemand sonst kann es für Sie tun. Das ist eine Tatsache, ich sage Ihnen die Wahrheit.

Als erstes wird es darum gehen, über wen man meditieren soll, wer der Meister  ist, wer die Christuskraft in der Welt ist. Überall in der Welt herrscht unter den Menschen große Verwirrung. Ich werde über das Spiel des Gemüts sprechen, was vor sich geht, wohin uns das Gemüt bringt, wie es wirkt und in welchem Zusammenhang es mit der Astral- und der Kausalebene steht. Das alles werden wir heute besprechen, und es wird Sie sicher zu einem Ergebnis bringen.

Die Lehre, über die ich spreche, stammt nicht von mir, sondern sie ist in den Heiligen Schriften zu finden. Diese Dinge sind  die Erfahrungen aller kompetenten Meister, die das Mysterium des Lebens lösten. Sie hatten das alles selbst erfahren und dann verkündeten sie diese Wahrheit. Was sie erfahren haben, das sollten auch wir erfahren. Wenn Sie sehr aufmerksam zuhören, werden Sie mit Sicherheit etwas erhalten – Ihre Seele wird Nahrung erhalten.

„Ich werde euch nicht verlassen noch versäumen bis zum Ende der Welt!” Diese Worte stammen von Christus und nicht von Jesus. Christus lebte vor Jesus. Wer ist  Christus? Christus ist die Kraft – die wirkende Gotteskraft, die die ganze Schöpfung hervorgebracht und auch diesen heiligen Körper geschaffen hat. Wir haben eine direkte und unabhängige Verbindung mit dieser Kraft, und sie wird uns niemals verlassen. Unsere Verbindung zu Ihm – Gott – ist immer ganz frisch und gibt uns ewiges Leben. Selbst wenn wir diesen Körper verlassen, verläßt diese Kraft uns nicht.

Bevor wir zum Thema kommen, müssen wir wissen, warum wir meditieren sollten, auf welcher Grundlage wir meditieren können und was die Voraussetzungen für die Meditation sind.

Wer ist der Meister der ganzen Schöpfung? Alle kompetenten Meister sagen,  daß es nur einen Meister gibt, und das ist die Christuskraft, Meisterkraft oder Gotteskraft – die wirkende Gotteskraft. Sie wird auch als die Strahlende Form des Meisters bezeichnet. Sie ist unser Meister. Von Kabir wird diese Form Gurudev  genannt – Er ist unser Meister. Er ist der Meister aller Menschen. Dennoch gibt es Tausende anderer ‘Meister’, und wir werden noch klarstellen, was sie tatsächlich sind und was ihre Funktion ist. Wer sich selbst als Meister bezeichnet oder eine entsprechende Pose einnimmt, kann niemals ein Meister sein – das sagten alle kompetenten Meister, und so steht es  auch in den heiligen Schriften, denn niemand in der Welt kann der Handelnde sein. Gott oder die Christuskraft ist der Handelnde – der, der alles bewirkt, kein Sohn eines Menschen kann der Handelnde sein. Deshalb sagten alle, die von oben beauftragt waren, immer, sie seien Sklaven Gottes  – gekaufte Sklaven der Christus- oder Gotteskraft. Niemals nahmen sie für sich in Anspruch, Meister zu sein, denn hätten sie es nur ein einziges Mal getan, wäre ihre Verbindung (zu Gott) für immer zerbrochen. Sie erheben niemals diesen Anspruch, denn sie sehen, wie diese Kraft überall wirkt – in ihnen selbst, im Äußeren und im Inneren. So lieben sie alle Menschen, denn sie lieben diese Kraft und sehen sie in allen Menschen.

Seien Sie sicher – es ist durch die Heiligen Schriften belegt – , daß die, die sich selbst als Meister bezeichnen und als Meister auftreten, niemals Meister sein können, und niemand sollte ihnen Glauben schenken. Wer ist Christus? Seine Lehre – das ist Christus, und wenn man dieser Lehre folgt, indem man mehr lernt und immer mehr Sehnsucht entwickelt, wird man dieser Kraft immer näher kommen, denn diese Kraft ist der Seele eingeboren, und wir müssen  im Inneren lernen – nicht im Äußeren. Wenn Sie nach dem leben, was Sie hier hören, wird Sehnsucht entstehen. Wenn diese Sehnsucht da ist, werden Sie in  Ihrem Leben ein alles überwiegendes Verlangen entwickeln, und diese Kraft, die jedem ganz nahe ist, wird Sie vom Körper, der Welt und den weltlichen Bindungen loslösen. So beginnt man, ungebunden in der Welt der Bindungen zu leben. Ihr Blickwinkel wird sich ändern. Solange der Blickwinkel sich nicht geändert hat, kann man nicht meditieren und das Selbst nicht in sich finden. Wenn das Haus in Flammen steht, kann man darin kein neues Haus errichten. Es sind also erst noch viele Dinge anzusprechen, die sehr wichtig sind. Deshalb habe ich zu Beginn gesagt, daß sich Ihr Blickwinkel schon nach ein oder zwei Monaten grundlegend gewandelt haben wird, wenn Sie diese Dinge hören, verstehen und danach leben. Das kann ich Ihnen versichern, denn ich spreche aus meiner eigenen, praktischen Erfahrung und von den Erfahrungen der kompetenten Meister.

Es steht in den Heiligen Schriften, daß es unter einer Million Menschen keinen Meister gibt, vielleicht einen unter einer Milliarde. Wie viele Meister waren in der Welt zur Zeit von Christus? Es gab sehr, sehr viele, die sich als Meister ausgaben. Jesus wurde von den Anhängern der damals geltenden Religion gekreuzigt. Kabir kam in die Welt, und Er wurde vielen Qualen ausgesetzt, nur weil Er sagte, daß es nur einen Handelnden gibt. Wissen Sie, wer Kabir war? Er sagte von sich selbst, daß Er in allen vier Zeitaltern kam, als Sat Sukrat, Muninder, Karunamae und dann als Kabir – im Goldenen, Silbernen, Kupfernen und Eisernen Zeitalter. Kabir wurde gefragt, wann Er ein Ergebener geworden sei, und Er sagte: „Als es noch keinen Mond gab, keine Sonne, keine Erde, keine Götter und Göttinnen, nichts in der Welt, da wurde ich gebeten zu meditieren.” Er wurde gebeten, für (die Gotteskraft) zu arbeiten. Dies ist also die Kraft, die Christuskraft genannt wird. Alle Meister sind eins. Wir sagen: „Christus ist jemand anderes als Guru Nanak oder Kabir!” Doch das stimmt nicht – sie sind alle eins. So wie jetzt hier im Saal viele Glühbirnen brennen – unsere Aufmerksamkeit ist aber auf das Licht gerichtet und nicht auf das Glas. Sie (die Meister) sind alle eins, und sie sind alle positiv, auch wenn sie in unterschiedlicher Gestalt zu uns kommen. So haben alle kompetenten Meister dieselbe Wahrheit in einer Meinung gelehrt, ganz gleich, zu welcher Zeit und an welchem Ort sie kamen, sei es im Osten oder Westen.

Wenn Sie in den  Heiligen Schriften nachlesen, werden Sie diese eine Wahrheit dort finden. Alle kompetenten Meister stimmen in ihren Aussagen überein, wohingegen die Erfahrungen der sogenannten Meister, die zu Tausenden in die Welt kamen, sich unterscheiden, denn ihre Wege sind anders. Ihre Wege beschränken sich auf diese Welt, auf die astrale und die kausale Welt.  Physische, astrale und kausale Welt bestehen aber aus Materie. Diese Ebenen sind der Bereich der negativen Kraft. Die sogenannten Meister arbeiten mit der negativen Kraft, die über den astralen und kausalen Bereich herrscht. Alle, die innerhalb dieser Ebenen meditiert haben, bezeichnet Kabir als Übeltäter. Er sagte: „Setzt euch nicht zu einem Übeltäter, denn dann wird sich Sünde eurer Seele anhaften und eure Seele wird herabfallen wie ein Blütenblatt.”

Was diese Übeltäter in der Welt taten und noch immer tun, ist ganz offensichtlich. Wenn man die Heiligen Schriften ganz genau liest, kann man darin alles finden. Das Problem ist nur, daß wir weder in unseren Heiligen Schriften nachforschen noch in diesem menschlichen Körper das Bewußtsein suchen, und so bleiben wir unwissend. Die Frage ist im Inneren, und die Antwort liegt ebenfalls im Inneren. Die Krankheit ist im Inneren, und das Heilmittel liegt auch im Inneren. Dieser menschliche Körper ist die wahre Kirche. Er ist die wahre Bibel, eine Bibel mit nur zwei Seiten. Öffnet sie –  die ganze Lehre ist dort zu finden. Der Makrokosmos ist im Mikrokosmos. In diesem Körper gibt es alles, was es in der physischen, der astralen und kausalen Ebene gibt. Es gibt nichts, was wir nicht dort finden könnten. Alles, was Gott geschaffen hat, ist im menschlichen Körper zu finden. Deshalb heißt es, daß der Mensch ein Abbild der gesamten Schöpfung ist. Das sind also grundlegende Dinge.

Darüber hinaus müssen wir noch viel mehr darüber wissen, was es im Körper gibt; es ist so viel, daß man das nicht an einem Tag erklären kann. Das, worüber wir heute sprechen, ist nur sehr wenig im Vergleich zu dem, was noch zu lernen ist. Die Kompetenz unseres Vaters ist grenzenlos, und so gibt es kein Ende des Lernens. Wir müssen lernen und dementsprechend leben, denn wir werden für immer mit unserem Vater zusammenleben, wir werden im ewigen Leben mit unserem Vater zusammensein. Mit der Lehre ist also nicht allein die Lehre gemeint, die in den heiligen Schriften niedergelegt ist, denn dort ist nur ein kleiner Ausschnitt zu finden. Es heißt: „Was in den Heiligen Schriften steht, finden wir auch im menschlichen Körper. Aber selbst wenn man alle Heiligen Schriften der Welt zusammennimmt, ist in ihnen nicht das enthalten, was im menschlichen Körper zu finden ist.” Deshalb sagen Christus und alle anderen Meister: „Klopft innen an – betretet diesen heiligen Körper!” Der Körper ist ein wundervolles Haus, in dem wir leben!

Überall wird gesagt, daß der Sitz der Seele hier (am Augenzentrum) sei. Alle sagen: „Hier ist der Sitz der Seele – hier müßt ihr meditieren!” Wo aber ist der Sitz der Seele ganz genau?

Das ist ein großes Problem – keiner weiß es wirklich. Es ist aber unbedingt notwendig, das zu wissen. Wenn wir wissen, wo der Sitz der Seele ist, gibt es kein Problem. Wißt ihr, was beim Tod geschieht? Wir ziehen uns von den unteren Gliedmaßen zurück, durchqueren das Kehlkopfzentrum, und unsere Aufmerksamkeit, der Geist, das Bewußtsein zieht sich an die Stelle hinter und zwischen den beiden Augenbrauen zurück. Von dort wendet sie sich nach oben und dann nach innen, und dort ist der Sitz der Seele. Man sagt allgemein: „Hier ist der Sitz der Seele”, doch es ist sehr schwierig, dort hinzukommen und diesen Ort wirklich zu finden. Der Grund dafür ist, daß der Sitz des Gemüts und des Intellekts in unmittelbarer Nähe sind. Dieser Körper besteht nicht nur aus fünf Grundbestandteilen, sondern aus acht. Fünf bleiben zurück, wenn wir den Körper verlassen, doch die drei anderen begleiten uns: Verstand, Gemüt und Ego. Diese drei sind materiell und reichen bis zur Kausalebene. Die physische, astrale und kausale Ebene besteht hauptsächlich aus Materie. Dort ist die Wahrheit nicht zu finden, diese Ebenen sind Barrieren, die den Geist daran hindern, nach oben zu gehen. Das Gemüt ist der König im Körper, es ist König im Physischen, Astralen und Kausalen. Die Rishis und Munis, Götter und Göttinnen fielen dem Gemüt zum Opfer und konnten den Fangarmen des Gemüts nicht entkommen. Sie konnten Verhaftung, Lust und Ego nicht überwinden, das ist alles noch in ihnen. Was gibt es also in der astralen und kausalen Ebene? Alles, was es hier in der physischen Form gibt, gibt es dort in der astralen und dann in der kausalen Form, doch es ist alles nur Materie.

Und was tun nun die meisten Menschen, die meditieren? Wie meditieren sie? Zunächst einmal muß man den Verstand überwinden – gut, das schaffen sie vielleicht, doch das Gemüt zu überwinden ist ihnen nicht möglich. Sie wissen, wenn man einen Wunsch hat, dann identifiziert sich das Gemüt sofort damit. Das Gemüt im physischen Körper ist astral. Jeder hat Wünsche über Wünsche, und unser Gemüt identifiziert sich damit, und so bleibt das Gemüt immer astral. Wenn wir nun den Wunsch haben, etwas im Inneren zu sehen, identifiziert sich unser Gemüt sofort damit und zeigt einem dort das Licht. Wenn man sich noch mehr anstrengt, bringt es einen in die astrale Ebene und in die Chakras. Das Gemüt zeigt gleich das Licht. Im Gegensatz dazu beginnt die Erfahrung, die von Christus und allen kompetenten Meistern gelehrt wurde, in der Dunkelheit – doch darauf werden wir später noch eingehen. Vorher müssen wir über das Gemüt sprechen, denn die Aktivitäten des Gemüts sind sehr weitreichend. Das Gemüt und seine Aktivitäten zu kennen ist die wichtigste Voraussetzung, bevor man meditieren kann. Gemüt, Materie, Maya, negative Kraft sind ein und dasselbe. Jeder möchte in dieser Welt glücklich sein. Der Mensch muß Wünsche schaffen, um hier glücklich zu sein. Ohne Wünsche kann niemand in dieser Welt glücklich sein. Er muß sich das Glück selber schaffen. Doch wenn wir Wünsche hervorbringen, schaffen wir gleichzeitig Sünde, Bindungen und Ego, wir lügen und betrügen und schaffen negative Dinge. Jeder unserer Wünsche führt, sobald er sich erfüllt hat, zu Verhaftung und Ego. Nach einiger Zeit verliert das, was wir uns erst gewünscht und dann erhalten haben, seinen Wert für uns, und wir haben kein Interesse mehr daran. Und so sind wir dann gezwungen, neue Wünsche zu erzeugen. So schafft der Mensch sein ganzes Leben lang einen Wunsch nach dem anderen und verliert dabei sein Leben. Das ist die Art und Weise der negativen Kraft oder des Gemüts.

Diejenigen, die sich also hier (an der Stelle zwischen beiden Augenbrauen) intensiv konzentrieren und mit eigener Kraft versuchen zu meditieren, gehen in die Chakras und in die Astralebene. Oder sie sinken ganz nach unten, dann öffnet sich die Kundalinikraft und steigt zum oberen Teil des Kopfes und ein “Ton” beginnt von dort aus zu erklingen.*) Was ist in der Astralebene? Dort wohnen die Götter und Göttinnen und Avatare. Sie haben dort große Städte, die von ihnen regiert werden. Es gibt dort ‘Riddhis’ und ‘Siddhis’ – übernatürliche Kräfte – Wunder und Licht im Übermaß. Wenn die Seele dorthin geht, ist es, als ginge man in einen Krug (der zuerst weiter wird, dann aber wieder zusammengeht, am Ende ist man darin gefangen). Es weitet sich immer mehr aus, und dort ist ein ständiges Auf und Ab, denn es ist das Gemüt, das uns dorthin führt. Es ist das astrale Gemüt, durch das man dorthin kommt. Wissen Sie, was das Gemüt ist? Es wird als Schlange bezeichnet. Wenn jemand das Gemüt durch die Gnade des Meisters sah, dann sah er es immer in der Form einer Schlange. Das Gemüt im Körper ist eine Schlange. Das Gemüt ist immer unausgeglichen, in einem Auf und Ab. Sie wissen, daß eine Schlange sich sehr schnell auf unebenem Gelände fortbewegen kann, aber nicht auf glatten Flächen. So erzeugt das Gemüt immer Höhen und Tiefen im Leben des Menschen, denn es ist seine Aufgabe, ihn zur negativen Kraft zurückzubringen. Es wird alles daran setzen, ihn daran zu hindern, seinen Bereich zu verlassen. Es wird von Anfang an versuchen, ihn zu überzeugen, daß der Weg, den er gehen will (wenn er den richtigen Weg einschlägt), falsch ist. Dazu hat es viele Möglichkeiten. Deshalb wird es auch als tausendköpfige Kobra bezeichnet. Wir können nicht einmal eine (normale) Kobra unter Kontrolle halten, die nur einen Kopf hat – und das Gemüt ist eine Kobra mit tausend Köpfen. Die ganze Welt wird vom Gemüt beherrscht. Wir können nicht unterscheiden, ob wir das Gemüt sind oder die Seele. Damit Sie es besser verstehen können, ein Beispiel: Angenommen, mein Gemüt sagt zu mir: „Dreh dich um und sieh, was hinter dir geschieht!”, dann sage ich: „Wenn du die Kraft dazu hast, dann sieh selbst – ich werde mich nicht umdrehen!” Das kann ich tun, denn ich bin nicht das Gemüt. Warum sollte ich ihm gehorchen? Gemüt, Materie und negative Kraft sind ein und dasselbe. Was geschieht? Wir schaffen Wünsche, und wer erfüllt sie uns? Alle Heiligen Schriften fordern uns auf: „Seid wunschlos!” Solange wir nicht wunschlos werden, solange wir nicht ohne Verhaftung in einer Welt der Verhaftungen leben, können wir unsere Aufgabe nicht erfüllen. Denn wenn wir diese Welt verlassen wollen, müssen wir auch unsere Aufmerksamkeit von dieser Welt abziehen. Wenn unsere Aufmerksamkeit an die Welt gebunden bleibt, dann müssen wir wieder in diese Welt zurückkehren. Wir schaffen also Wünsche, und das Gemüt hilft uns, sie zu erfüllen. Dadurch stärken wir die negative Kraft.

Am Anfang gab es weder Himmel noch Hölle, denn der Mensch hatte eine direkte Verbindung zur Gotteskraft. Wer schuf Himmel und Höllen in der Astralebene? Es gibt Himmel und Hölle in der astralen Ebene, und es gibt noch einen weiteren, höheren Himmel in der kausalen Ebene. Dieser Himmel wird Baikunth genannt. Sie alle wurden von der negativen Kraft geschaffen. Meister fragte die negative Kraft: „Du wurdest zusammen mit dem Menschen in die Welt geschickt, um ihm zu dienen – wie konnte es geschehen, daß du solch große Hindernisse für den Menschen schaffen konntest?” Sie erwiderte: „Der Mensch schuf Wünsche und dadurch machte er mich stark. Nun muß er mir alles zurückzahlen, und die Schulden sind hoch.” So schuf die negative Kraft die Hölle für die Sünder und den Himmel für die frommen Egoisten. Sie leben dort in diesen Bereichen und müssen wieder zurückkommen in die Welt. Sie bleiben im Rad der Wiedergeburten. Dort gibt es keine Erlösung. Als es noch keine Sünde gab, gab es auch kein Gefängnis. Das Gefängnis kam erst später – zuerst war die Sünde da. Alle sagen: „Kommt, wir zeigen euch das Licht, wir zeigen euch den Himmel!” Doch dies ist nicht der Himmel, von dem Christus sprach. Es heißt: „Wo alle Philosophien der Welt enden, beginnt die wahre Religion!” Die Philosophien der Welt enden nicht mit den astralen oder kausalen Regionen. Wir müssen uns über die astrale und dann über die kausale Ebene erheben, und wenn man von dort aus alles betrachtet, kann man Ursache und Auswirkung von allem in der Welt sehen. Wenn man Ursache und Wirkung sieht, ist man erwacht. Dann kann man sich in den wahren Himmel erheben.

Im Innern gibt es also viele Täuschungen, denen wir uns auf der Astralebene gegenübersehen. Es gibt dort ‘Riddhis’ und ‘Siddhis’, die man als Wunderkräfte bezeichnet. Sie liegen am Boden verstreut wie bezaubernde Blumen. Man muß sie nicht einmal aufheben, nur hinzuschauen genügt schon, um von ihnen beeinflußt zu werden. Dann kehrt man aus der astralen Welt mit diesen Wunderkräften zurück. Was brachten jene, die auf der Astralebene meditierten, von dort mit? Schwarze Magie, geistiges Heilen, Mesmerismus, Hypnose, Kundalini-Yoga – viele, viele Dinge üben sie aus, nur um andere zu beeinflussen. Was sind die negativen Faktoren im Leben? Sie entstanden durch die Aktivitäten solcher Leute, die nur mit der Astralebene in Verbindung kamen. Die Astralebene wird von der negativen Kraft beherrscht und steht jedem offen. Wer in die Astralebene gehen will, braucht keinen Meister, denn das Gemüt selbst wird dafür sorgen, daß man dorthin kommt. In den Heiligen Schriften finden wir folgende Begebenheit: Es gab einen (sogenannten) Heiligen und seinen Schüler. Beide meditierten, um in die Astralebene zu gelangen. Der Schüler war jedoch empfänglicher und konnte viel schneller dorthin gehen. Diese Ebene steht jedem offen, doch es ist eine tödliche Falle. Wer einmal dort eintritt, kann aus ihr nicht mehr herauskommen. Das ist durch die Schriften belegt. Lesen Sie die Schriften verschiedener Rishis und Munis, die sehr lange Zeit meditierten. Man sagt, daß sie tausend Jahre meditierten. Sie magerten dabei ab bis zum Skelett, doch sie konnten das Rätsel des Lebens nicht lösen, denn sie konnten nicht mehr aus dieser Ebene herauskommen. Sie verloren dadurch ihr Leben. Was machten sie ? Sie verlängerten ihr Leben durch Prana-Yoga, mit Hilfe des Atemsystems. Diese Praxis der Atemkontrolle wird Prana-Yoga genannt. Wir atmen ca. sechs- bis achtmal in der Minute, doch wenn man den Atem kontrolliert, kann man die Atemzüge auf zwei, drei, vier oder fünf am Tag reduzieren. So sehr konnten sie ihre Atmung reduzieren. Da unser Leben nach Atemzügen bemessen ist, konnten sie dadurch sehr lange Zeit meditieren, doch das Mysterium des Todes konnten sie nicht lösen.

Was sind Wunder in Wirklichkeit? Wunder sind nur Illusion, nur Täuschung. Man sieht etwas und wird davon beeinflußt. Im Gegensatz dazu erklären uns die Heiligen Schriften, daß dieses heilige Licht nicht in der äußeren Welt erscheint, weder zu Wasser noch zu Lande, aber es wird immer zu sehen sein, wenn man den Himmel betritt, von dem Christus sprach. Wunder und alles, was damit zusammenhängt, sind also ganz und gar negativer Natur. Was geschieht? Das astrale Licht, der astrale Staub erscheint auf dem physischen Staub, und dann sagen wir (über jemanden, der Wunder wirkt): „Das ist ein Heiliger!” Nein, er ist kein Heiliger. Kabir sagt, das ist ein Übeltäter, der nur kommt, um uns in die Irre zu führen. Was steckt dahinter? Es ist wie bei einem Feuerwerk. Man sieht wunderschöne Szenerien, doch sie sind nichts als Illusion, denn sie haben nichts Wirkliches in sich und werden in einem Augenblick zu Staub. Wenn Sie unbedingt etwas Schönes sehen möchten, gehen Sie in den Garten, dort hat man einen schönen Anblick, doch ein Feuerwerk ist nichts als Illusion. Dasselbe geschieht, wenn der astrale Staub sich mit dem physischen Staub vermischt. Wir halten einen solchen Menschen für einen Heiligen. Er zeigte ein Wunder, und wer sich davon beeindrucken läßt, wird davon beeinflußt und kommt in die Klauen der negativen Kraft. Wer dem aber keine Beachtung schenkt, wird auch nicht davon beeinflußt, und die negative Kraft kann ihn nicht in den Griff bekommen. Das ist es also, was in der Welt geschieht – es sind alles negative Faktoren. Um die Wahrheit zu erfahren und zu wissen, worum es wirklich geht, muß man lernen und von Sehnsucht erfüllt sein. So ist unser heutiges Thema sehr schön. Nun müssen wir wissen, was der menschliche Körper ist und welcher Natur unsere Verbindungen mit der Welt sind. Dies ist ein sehr umfangreiches Thema und ich werde es kurz fassen, andernfalls können wir an diesem Abend nicht zu einem Gesamtüberblick kommen. Um in dieses Thema tiefer einzudringen, sollten Sie mit uns in Verbindung bleiben. Was wir lernen müssen, erstreckt sich über unser ganzes Leben – in dieser Hinsicht gibt es kein Ende des Lernens.

Zu Kabir kam jemand und sagte: „Es gibt einen Meister, der behauptet, daß man Christus sehen kann, daß man diese oder jene Kraft sehen kann, und er zeigt das sofort jedem. Ihr aber sagt, daß zuerst Selbstanalyse und Selbsterkenntnis zur Gotterkenntnis notwendig sind und daß man lernen und Sehnsucht haben muß.” Darauf entgegnete Kabir: „Bringt diesen Mann zu mir!” So kam er zu Kabir, und dieser sagte zu ihm: „Durch das, was du den Menschen erzählst, führst du sie in die Irre. Bitte laß das sein!” Der Mann war in einem gewissen Ausmaß bereit dazu. Und Kabir erklärte ihm: „Es ist dein Gemüt, das ein doppeltes Spiel spielt. Es läßt dich etwas im Inneren sehen und zeigt dir dann dasselbe auch im Äußeren.” Als der andere sagte, daß ihm sogar Lord Krishna erschiene, wies Kabir ihn an: „Meditiere, und wenn er dir wieder erscheint, ergreife seinen Arm und laß ihn nicht mehr los!”

Dies wurde ihm also von einem kompetenten Meister gesagt. Als er dann in Meditation saß, erschien ihm Lord Krishna, und er hielt ihn am Arm fest. Während er noch mit ihm rang, öffnete er seine Augen und sah, daß er seinen eigenen Arm festhielt. Dies ist der Weg der negativen Kraft. Das Gemüt zu kennen, die negative Kraft zu durchschauen, ist nicht einfach. Wie kann man sich davon befreien? Dazu braucht man Bewußtsein, dazu braucht man Erwachen – man muß wissen, worum es geht. Wenn man weiß, worum es geht, gehört man Ihm. Es ist nicht so schwierig, es erfordert nur rechtes Verstehen. Es gibt nur eine Sache, die wirklich wertvoll ist in dieser Welt, und das ist rechtes Verstehen – es ist unbezahlbar. Wenn man den Körper verläßt, arbeiten die Augen nicht mehr. Wir verlassen die Welt. Ist nun unser Drittes Auge nicht geöffnet, wird gesagt, daß man sich in völliger Dunkelheit befindet. Dann kann man keinen Schritt im Innern gehen, man kann nicht einmal seine eigenen Füße sehen, und so wird man von der negativen Kraft mitgenommen. Man weiß nicht, wohin man gehen soll, denn am Sitz der Seele ist tiefste Dunkelheit. Wenn man sich aber über die astrale und kausale Ebene erhebt, dann öffnet sich das Dritte Auge. Und wie? Es ist eine ganz praktische Sache. Nun werde ich erklären, wo sich dieses Dritte Auge befindet und wie es geöffnet werden kann. Wenn Sie das wissen, können Sie überall hingehen in der Welt, fordern Sie diese ‘Meister’ auf: „Hier ist der Sitz der Seele – bitte erhebt mich direkt von diesem Ort nach oben!” Sie werden niemals mehr mißgeleitet werden können. Wenn Sie fähig sind, an diesem Ort zu bleiben, werden Sie rechtes Verstehen erhalten, werden Sie erwachen und zu Bewußten Mitarbeitern am Göttlichen Plan werden. Doch um diesen Ort zu erreichen, müssen Sie noch sehr viel lernen. Was ich Ihnen heute mit auf den Weg geben möchte, ist ein Geschenk, ein unbezahlbares Erbe, und wenn Sie es verstehen, kann Sie niemals mehr jemand verwirren, und keiner dieser ‘Meister’ kann Sie fehlleiten. Sie haben eine direkte und unabhängige Verbindung zur Gotteskraft. Es ist Ihre Aufgabe, und Sie müssen sie selbst erfüllen. Man braucht dazu nur Führung. Jene (wahren Meister), die in die Welt kamen, waren mit dieser Kraft verbunden. Sie wurden von dieser Kraft gesandt. Sie haben niemals irgend jemanden an sich selbst gebunden,  sie halfen den anderen, mit Ihm – Gott – in Verbindung zu kommen. Das werden Sie in den Heiligen Schriften finden. So sitzen und lernen wir alle in derselben Klasse, auch wenn wir die Kennzeichen verschiedener Religionen tragen. Das, was wir lernen müssen, ist dasselbe, wie in der Schule, wie auf einer Universität. Das Lernziel ist für alle Menschen dasselbe. Damit können wir nun zum eigentlichen Thema kommen – was Meditation ist, wo wir meditieren und wie wir meditieren sollten, und wer uns bei der Meditation helfen kann.

Es wird also gesagt, daß hier (am Augenbrennpunkt) der Sitz der Seele ist – doch wie können wir dort hindurchgehen? Es heißt, daß es drei Kanäle (Nadis) im Körper gibt – Ida, Pingala und Sushmana. Bei Ida und Pingala handelt es sich um Nadis, die nur bis in die astrale und kausale Ebene reichen, und so sind sie materieller Natur, wohingegen Sushmana unsichtbar über das Materielle hinausgeht. Unsere Seele muß aber ihren Weg durch diesen mittleren Kanal nehmen, um sich zu erheben. Dort ist eine Öffnung. Wohin führt dieser Weg? Über die astralen und kausalen Regionen hinaus. Auf der rechten Seite befinden sich der Mond und die Sterne, auf der linken die Sonne und die Schöpfungen. Wenn man nun meditiert und einen Wunsch hat, identifiziert sich das Gemüt augenblicklich damit und führt uns entweder auf die rechte oder die linke Seite. Beide Seiten werden von der negativen Kraft beherrscht. Hier befinden sich die Schöpfungen, und sie sind Hindernisse (für die Seele). Was geschieht? Man sieht Licht, wird emotional und fällt nach unten. Das geschieht bei all diesen Meditationsmethoden. Das Dritte Auge dagegen ist eine winzig kleine Öffnung. Es heißt, sie ist zehnmal kleiner als ein Senfkorn. Doch es ist diese Öffnung, die das Tor zum (wahren) Himmel ist. Alle Meister sagen uns, daß es ein sehr steiler und glatter Weg ist, den nicht einmal eine Ameise erklimmen kann. Kabir sagt: „Selbst eine Ameise könnte dort abgleiten!” Wir aber denken, daß wir wie ein voll beladener Ochse dorthin gehen können – wie soll das möglich sein? Was geschieht also? Wenn sich die Seele mit der Hilfe eines kompetenten Meisters erhebt, dann bringt Er uns direkt zu jenem Ort. Dort ist es völlig dunkel. Die Meditation, wie sie Christus und alle anderen kompetenten Meister lehrten, beginnt also in der Dunkelheit und nicht im Licht.

Vielleicht wissen Sie, daß Alexander der Große einen Meister hatte mit Namen Quazi Kidr. Er kannte Alexanders Absichten und wollte verhindern, daß er die Welt in Tyrannei und Blutvergießen stürzte. Deshalb wollte er ihm die Wahrheit zeigen und ihm das Brot und Wasser des Lebens geben. Alexander der Große hörte ihn an, war aber nicht wirklich bereit. Da brachte Quazi Kidr ihn gewaltsam zum Sitz der Seele, und es wird in den Schriften berichtet, daß Alexander dort nur Dunkelheit sah und das Wasser des Lebens nicht trinken konnte. So kam er zurück und tat, was er sich vorgenommen hatte.

Es heißt: „Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib voll Licht sein!” Das bedeutet, daß unsere Aufmerksamkeit, wenn sie sich von den Gliedmaßen und dann von der astralen und kausalen Region zurückzieht, nicht diesen oder jenen Weg nimmt. Erst erhebt sie sich direkt über die Kausalebene, und dann öffnet sich dieses ‘Tor zum Himmel’, wie es von Christus genannt wurde. Dort ist das Brot und Wasser des Lebens zu finden. Dort ist eine erhabene, heitere Schwingung, dort ist die Musik der Sphären, und wenn man damit einmal in Verbindung kommt, ist man von neuem geboren. Das ist dieselbe Erfahrung wie beim Tod. Dann wird man wiedergeboren, und wenn man von neuem geboren ist, welchen Grund sollte es dann geben, noch einmal in die Welt zurückzukommen? Wer das Brot des Lebens einmal erhalten hat, wird nicht mehr danach hungern, wieder in diese Welt zu kommen. Wer einmal das Wasser des Lebens getrunken hat, wird niemals mehr durstig sein.

Das ist nicht das, was überall gelehrt wird. Manche Leute sagen: „Oh ja – ich wurde auch von einem kompetenten Meister initiiert!” – es gibt so viele Gruppen! Wenn ein kompetenter Meister den Körper verläßt, kommen viele und sagen: „Der Meister hat mich zum spirituellen Nachfolger bestimmt.” Das geschieht auch heute. Doch die Erfahrungen, die sie geben, kann man auch ohne sie erhalten, denn in (die Astralebene) kann man ohne Hilfe von irgend jemandem eintreten. Man macht diese Erfahrungen, wenn man sich hier oben (an der Stirn) angestrengt konzentriert, doch sie sind völlig negativ. Man muß wiedergeboren werden. Sie brauchen die Hilfe von einem, der Sie führen kann, damit Sie diesen Ort errreichen. Und wenn Sie einmal dorthin gelangt sind, hat sich der Sinn Ihres Lebens erfüllt. Dort kann man meditieren. Wer kann dort, (auf der Ebene), von der Christus sagt: „Ich und mein Vater sind eins!” meditieren? Ich sage Ihnen, es geht nur darum, es zu tun! Hierher zu kommen ist schwer. Dennoch kommt man manchmal ganz von selbst dorthin, ohne es zu wissen, und vergißt es wieder. Sie sind vielleicht schon sehr oft in Ihrem Leben dorthin gekommen, aber konnten nicht durchfinden. Niemand half Ihnen, aber Sie kamen an diesen Punkt: Angenommen, Sie waren  in einem fremden Land und wurden dort sehr herzlich empfangen. Die Menschen dort waren sehr liebevoll und gastfreundlich, verwöhnten Sie mit gutem Essen und zeigten Ihnen das Land. Jetzt sind Sie wieder zu Hause, Sie kochen und servieren das Essen und sprechen mit Ihren Freunden, doch Ihre Aufmerksamkeit geht zurück in jenes Land. Solange Ihre Aufmerksamkeit dort ist, tun Sie im Äußeren Ihre gewohnte Arbeit und dennoch sind Sie abwesend, losgelöst von dem Ort, an dem Sie gerade sind.

Oder es geht jemand an Ihnen vorüber und fragt Sie: „Hast du den gesehen, der gerade an dir vorbeigegangen ist?”  Sie sagen: „Nein, ich war in Gedanken woanders!” Obwohl Ihre Augen offen waren, haben Sie ihn nicht gesehen. Woran liegt das? Hier ist der Sitz der Seele (hinter und zwischen den Augenbrauen). Von dort aus verlassen wir beim Tod den Körper. Fünf Tore öffnen sich nach außen. Sie werden auch die fünf nach außen gerichteten Wahrnehmungskräfte der Seele genannt. Es gibt die fünf Sinneskräfte, die durch Ohren, Augen, Nase, Mund und Haut wirken – fünf Sinne und fünf Tore, die nach außen führen. Wenn diese Tore geöffnet sind, entstehen Rückwirkungen (wir nehmen gute oder schlechte Eindrücke in uns auf). Wenn diese Tore nach außen geschlossen werden, öffnen sie sich nach innen. Kennen Sie das Beispiel von Newton? Er war gerade in ein mathematisches Problem vertieft, als eine Musikkapelle an ihm vorüberging. Er aber nahm sie nicht wahr und sagte, niemand sei vorbeigekommen. Mit offenen Ohren hörte er nichts, weil seine ganze Aufmerksamkeit völlig auf die Lösung seines Problems gerichtet war. Sein Denken hatte sich über die Gedanken erhoben. Wenn diese fünf Tore sich außen schließen und sich nach innen öffnen, nennt man das Einkehr. Es heißt: „Wenn ihr die zehn Tore eures Körpertempels schließt, könnt ihr das himmlische Licht im Inneren sehen.” Um die zehn Tore dieses Tempels schließen zu können, muß man sich über den Verstand und das Gemüt und über alles, was in der Welt geschieht, erheben. Es handelt sich um dieselbe Erfahrung wie beim Tod. Bitte versuchen Sie, das zu verstehen.

Es gibt keine Zugeständnisse – die Lehre selbst ist das Zugeständnis. Wenn man der Lehre folgt, wirkt das Gesetz von Liebe und Mitgefühl, das im Leben des Schülers eine sehr wichtige Rolle spielt. Jedes einzelne Haar hat seine Wurzeln in derselben Haut. So haben Sie mit diesem Wissen die Lösung für alle Ihre Schwierigkeiten und Bindungen an die Welt. In diesem Körper, im astralen und im kausalen Körper wird unsere Seele vom Gemüt beherrscht und kann sich nicht vom Gemüt befreien. Nur wenn sie sich über die Kausalebene erhebt, ist sie rein. Wenn das Dritte Auge geöffnet ist und die Seele in diesen Himmel eintritt, ist sie frei vom Gemüt. Sobald sie vom Gemüt befreit ist, erhält sie das Brot und Wasser des Lebens. Das ist ein Gesetz.Wer einmal den wunderbaren Anblick des inneren Geliebten erlangt, wird sich darin verlieren. Dann ist euch das das Allerwichtigste im Leben. Eigentlich ist es leicht zu verstehen, doch die Menschen in dieser Welt sind durch ihre Unwissenheit völlig verwirrt. Es wird Ihnen etwas gesagt, aber etwas ganz anderes gegeben. Jeder sagt: „Ja, dies ist so – das ist so!“, aber keiner ist in der Lage, diese Erfahrung zu geben, denn das ist ein Geschenk von Ihm (Gott). Keiner sagt, daß dieses Geschenk nur Er (Gott) geben kann. Doch wenn man die Kompetenz seines Meisters kennt, immer mehr lernt und Sehnsucht danach hat, dann wird Er es geben. Wenn man in der Welt jemanden liebt, gibt man ihm sein Herz. Wenn man sein Herz gibt, gibt man auch seinen Kopf. Was bedeutet das? Man gibt auch den Verstand und das Gemüt, und die Welt kann einem nichts mehr geben. Es ist ein ständiges Lernen und sich Sehnen. Es wird nichts von außen in Sie hineingelegt, alles ist bereits in Ihnen. Diese heitere Liebe ist da, sie vibriert im Inneren, doch wir gehen nicht dorthin. Niemand kann an Ihrer Stelle dorthin gehen, denn es ist Ihre persönliche Angelegenheit  – Sie müssen es lernen. Es gibt keinen anderen Weg.

Es ist besser, nicht zu meditieren, als (auf irgendeine beliebige Art) zu meditieren. Wenn Sie nur mit der Hilfe des Gemüts meditieren oder meditieren, um sich Wünsche zu erfüllen, wird das zur tödlichen Falle.

Kabir sagt: „Es gibt zehn Avatare und viele Götter und Göttinnen, die in die Welt kamen, doch sie sind ohne jeden Nutzen für euch, denn auf ihren Köpfen wächst Wassergras.” Sie können das Wasser des Lebens nicht sehen, wie wollen sie dann das Wasser des Lebens geben? So ist der Mensch das Höchste in der ganzen Schöpfung – er ist das Ebenbild Gottes. Das Kind ist dem Vater sehr lieb, und die menschliche Geburt ist die Voraussetzung, um wieder nach Hause zurückzugehen. Wenn diese Gelegenheit verloren ist, wer wird uns dann retten? Unser Leben in dieser Welt ist sehr, sehr kurz. Alle Meister sagen, daß es nicht länger als vier Tage dauert. Manche sagen auch, es ist so kurz wie ein Atemzug, verglichen mit dem ewigen Leben, das wir mit unserem Vater im Inneren leben werden. Wir leben also ein Leben, das so kurz ist wie ein Atemzug, und in dieser kurzen Zeit müssen wir sehr viel tun. Die Meister sagen uns, daß Sehnsucht notwendig ist und wir versuchen müssen, entsprechend zu leben. Es genügt, wenn wir nur zwei Dinge aus dem Leben der Meister lernen: Lebt und arbeitet für Ihn! Wenn Sie das wirklich tun, ist Ihre Aufgabe erfüllt. Sie wissen, wenn die Meister in die Welt kommen, leben sie hundert Prozent für andere. Ihre Aufgabe ist ganz anders. Wir aber sollten wenigstens für unser (wahres) Selbst leben, und das können wir nur, wenn wir für andere leben. Während wir Verhaftungen für andere schaffen, sagen wir: „Wir leben für uns selbst!” Nein – das sind Bindungen. Dies führt zu einem weiteren Thema über unser Leben zu Hause und in der Familie, wie wir unser Zuhause in Ordnung bringen und unsere Kinder entwickeln können, das ist dann ein anderes Thema, und dieses Thema ist sehr umfangreich. Es ist kein kleines Gebiet, ich habe erst ganz wenig darüber gesagt,  dieses Thema ist so umfangreich, daß es unser ganzes Leben dauert, um es zu lernen. Im Laufe der Zeit wird es immer klarer werden. Wenn Sie zum Bewußten Mitarbeiter am Göttlichen Plan werden, dann werden Sie all das von selbst lernen, dann werden Sie fähig sein, die wahre Bibel, die in uns ist, zu lesen. Alles kam von innen. Die Frage liegt im Inneren und auch die Antwort ist dort zu finden. Angenommen, Sie stellen mir eine Frage, die sehr wichtig für Sie ist, und ich gebe Ihnen eine falsche Antwort, dann würden Sie niemals damit einverstanden sein, denn Sie haben die richtige Antwort bereits in sich und würden mir niemals zustimmen. Die richtige Antwort ist in Ihnen. Alles liegt im Inneren – nichts ist außen.

So bedenken Sie bitte, daß alles, wozu die verschiedenen Meditationsarten führen, nicht in Ihrem Interesse ist, es verbindet Sie mit dem negativen Aspekt des Lebens, mehr noch, es ist eine Todesfalle, wie die Meister sagen. Halten Sie sich an Ihre Heiligen Schriften! Wenn Sie der Lehre von Christus folgen, dann sind Sie wahre Christen. Ein wahrer Christ, ein wahrer Sikh oder ein wahrer Hindu zu sein, ist ein und dasselbe – es sind nur die (äußeren) Merkmale, die unterschiedlich sind. Wir müssen alle Menschen werden. Wer ein wahrer Mensch ist, ist auch ein wahrer Christ. Niemals hat ein kompetenter Meister eine Religion in der Welt geschaffen. Die Religionen entstanden erst durch die späteren Glaubensanhänger, nachdem die kompetenten Meister ihren Körper verlassen hatten. Gott schuf den Menschen, und der Mensch die Religion. Ich werde Sie nicht an eine Religion, Sekte oder Glaubensrichtung binden, bleiben Sie Christen, aber werden Sie wahre Christen. Wenn Sie wahre Christen werden, sind Sie ein Vorbild in der Welt – sind Sie Menschen.


*) Dieser Ton, der vom Scheitelchakra ausgeht, ist negativ und hat mit der Tonerfahrung, die durch den kompetenten Meister gegeben wird, nichts zu tun.

Alle Mantras und Praktiken
Sind nichtig und führen in die Irre.
Laßt niemand in diese Falle gehen!
Ohne das wahre Shabd
Zu verwirklichen,
Kann die Krähe sich nicht
In den Schwan verwandeln.

Wer Shabd
Als die Essenz der Wahrheit erkennt,
Wer es verwirklicht
Und seinen Glauben daran festigt,
Legt seine Krähennatur ab
Und wird zum Schwan –
Makellos und rein.
Die wilden Wellen
Des schrecklichen Ozeans besiegt er
Und erreicht das Ufer
Der Glückseligkeit.

Kabir
 


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